182
Die Armee in der Bewegung.
auf einer mittleren, vom Gebirge und vom Po gleichweit entferntenOperationslinie bewegen.
In den beiden ersten Fällen ist nur ein Flügel, in letzterem Falleaber sind beide Flügel ohne Anlehnung und der Umgehung ausgesetzt,wie dies aus Tafel 0 zu ersehen ist. Selbe enthält nämlich die Marschlinienfür eine auf drei Strassen sich bewegende Armee von 100- bis 150.000Mann, und zwar unter den oberwähnten verschiedenen drei Annahmen.In Folge dieser geringen Stärke der Armee Hesse sich eine Fluss-strecke von höchstens 4 bis 5 Meilen directe vertheidigen. Der Gegner,wenn er dieselbe nicht forciren wollte, könnte sie leicht umgehen, wiedies z. B. 1859 der Fall war, wo die Oesterreicher nach der Schlachtvon Magenta ihre Rückzugsbewegung in der südlichen Zone nahe demPo vollführten, während die alliirten Franco-Sarden in der nördlichenvorrückten.
4. Auch wenn der Yertheidiger rechtzeitig an dem richtigenPunkte sich versammelt und die angreifenden Truppenmassen mit rela-tiver Uehermacht zurückgeworfen werden, verlieren dieselben bei einerunmittelbar danach noch so weit ausholenden Umgehung doch nie ihreVerbindungslinie, weil der Yertheidiger sich keine Ausfallsthore andem Flusse geschaffen hat.
5. Kann der Angreifer, wenn er die gewählte Uebergangsstellestark besetzt findet, durch einen forcirten und verborgenen Flanken-marsch leicht in kurzer Zeit einen anderen Punkt gewinnen.
Da sich auch grössere Flüsse durch das jetzt übliche Kriegs-brückengeräthe innerhalb weniger Stunden überbrücken lassen, so wirdder Feind immer den nöthigen Zeitvorsprung haben, um eine unbe-wachte Stelle zu erreichen und wenigstens so viel Truppen überzusetzen,als nöthig sein dürften, um den übrigen das Debouchiren zu sichern.
Das gegenwärtig übliche Brückenmateriale ist viel leichter als dieehemals verwendeten Pontonbrücken. Die Brückenwägen sind beweg-licher und für die gleichzeitige Verwendung sowohl stehender alsschwimmender Unterlagen eingerichtet. Es können daher auch solchePunkte zu einem Uebergange gewählt werden, wo das Profil des Fluss-bettes die Anwendung gemischter Unterlagen bedingt. Bei der bis zumJahre 1843 bestandenen, getrennten Ponton- und Laufbrückeneiu-richtung hingegen war man ausschliesslich auf die Benützung der einenoder der anderen Art beschränkt. Das Flussprofil musste stets so ge-wählt werden, dass entweder blos schwimmende oder blos stehendeUnterlagen zu verwenden waren. Ein solches wird aber viel seltenerangetroffen, als ein Flussprofil für gemischte Unterlagen.