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Professor G. Droysens allgemeiner historischer Handatlas : in sechsundneunzig Karten mit erläuterndem Text / ausgeführt von der Geographischen Anstalt von Velhagen & Klasing in Leipzig unter der Leitung von Dr. Richard Andree
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diese Linie trat 1734 in Namen und Erbe von Pfalz-Zweibrücken ein), Lü-tzelstein (36) (war 1694 beim Aussterben von Pf.-Veldenz an Pf.-Zweibrückengekommen) Selz (39) (war 1769 von Kurpfalz an Pf.-Zweibrücken abgetreten),Kleeburg und Bischweiler (38), d) Grafsch. Hanau-Licktenberg (31), gehörteseit dem Aussterben der Grafen 1736 zu Hessen-Darmstadt, e) das ba-dische Amt Beinheim (27), f) Herrsch. Oberbronn (32), seit 1728 denHohenlohe gehörend, g) das sickingische Hohenburg (35), h) das dürk-heimsche Schöneck (34), i) Bistum Speier (11) mit Mundat Weifsenburg(12), k) die leiningische Grafschaft Dagsburg (43).

Ein Karton giebt über diesen Stand, so weit es der Mafsstab erlaubt, nocheine besondere Übersicht und enthält zugleich die Distriktsgrenzen von 1787.Wie in den übrigen Provinzen Frankreichs war auch im Elsafs 1787 eine Pro-vinzialversammlung berufen. Diese beschlofs am 29. Nov. 1787 neben derStadt Strafsburg noch sechs Distrikte (Weifsenburg, Hagenau, Schlettstadt,Colmar, Hüningen, Beifort) zu bilden. Ehe diese Neuordnung sich recht ein-bürgern konnte, räumte die Nationalversammlung (4. August 1789) mit denalten Herrschaftsrechten auch der deutschen Stände auf, verwarf 1790 jeneDistriktsteilung und bildete die beiden Departements Ober- und Niederrhein.Damit war das Elsafs dem übrigen französischen Staatsgebiet gleich behandelt.1798 endlich mufste sich auch Mühlhausen fügen.

Weniger verwickelt liegen die Dinge bei der Annexion Lothringens.Durch den westfälischen Frieden wurden die schon seit 1552 von Frankreichbesetzten Bistümer und Städte Metz, Toul, Verdun förmlich abgetreten.Dabei war es für einige Gebiete zweifelhaft, ob sie zu Metz gehörten; Frank-reich besetzte sie indes, und Österreich verzichtete 1769 darauf. Im Pyrenäen-frieden (1659) trat Spanien Diedenhofen und Rademachern nebst der EnklaveZimmingen ab. Der Herzog von Lothringen wurde dabei mit Verlust einigerGebietsteile, die aufserhalb des Bereichs unsrer Karte liegen, in Lothringenrestituiert; durch den Pariser Vertrag von 1661 bekam er auch Bar zurück,mufste aber den Bezirk Sierck und Gebiete abtreten, durch welche die verein-zelten mit Metz erworbenen Landesteile zu einer Heerstrafse von Verdun nachMetz und von Metz an die elsässische Grenze, hier sogar mit zwei Ausläufern,umgestaltet wurden. 1670 besetzte Ludwig mitten im Frieden Lothringen. ImNymweger Frieden (1679) wurde ihm Longwy abgetreten und das Besatzungs-recht in Nancy zugesprochen; da der Herzog hiergegen protestierte, blieb dasganze Land von den Franzosen besetzt. Die nun folgenden zahlreichenReunionen wurden durch den Ryswyker Frieden (1697) aufgehoben; derHerzog erhielt durch denselben sein Land zurück bis auf ein 1680 besetztesGebiet, in welchem die Festung Saarlouis erbaut war. 1718 erhält Frank-reich von Lothringen einige kleinere Gebiete zur Arrondierung der früherenErwerbungen. Bei Gelegenheit der polnischen Erbfrage wurde 1735 imWiener Frieden Lothringen, dessen Herzog Franz Stephan durch Toskanaentschädigt wurde, an Stanislaus Lescinsky, den Schwiegervater des franzö-sischen Königs gegeben, mit der Bestimmung, dafs es nach dessen Tode anFrankreich fallen solle. Lescinsky starb 1766: Lothringen ward nun inFrankreich einverleibt und geteilt in Deutsch - Lothringen, das bis 1748deutsche Amtssprache hatte, und la Lorraine propre et Barrois. Nach-dem Österreich 1769 mit dem Verzicht auf das bei Metz streitige Gebietnoch einige Lützelburgische Enklaven (46), Blieskastel 1781 einen kleinenLandstrich (48) abgetreten hatte, waren 1789 noch im Besitz deutscherHerren ohne Anerkennung der französischen Oberhoheit: a) Grafsch. Krie-cliingen (45) (war durch Erbschaft 1697 an Ostfriesland, 1726 an Wied-Runkel gefallen), Gebiete von b) dem österr. Lützelburg (46a) undc) Nassau-Saarbrücken (47), d) Deutschordensland (49), e) Reichs-ritterlicker Besitz (50), f) Grafsch. Nassau-Saarwenden (44), g) Graf-schaft Salm (42). Diese Gebiete wurden, nachdem sie 1790 besetzt waren,durch den Frieden von Luneville 1801 endgültig an Frankreich abgetreten.

In welchen Grenzen Elsafs-Lothringen 1871 zurückgewonnen ist, zeigtein Karton, der auch die deutsch-französische Sprachgrenze angiebt. DasReichsland ist jetzt eingeteilt in den Bezirk Unter-Elfafs (Hauptst. Strafs-burg) mit 8 Kreisen (Strafsburg Stadt, Strafsburg Land, Erstein, Hagenau,Molsheim, Schlettstadt, Weifsenburg, Zabern), Ober-Elsafs (Hptst. Colmar)mit 6 Kreisen (Altkirch, Colmar, Gebweiler, Mühlhausen, Rappoltsweiler,Thann) und Lothringen (Hptst. Metz) mit 8 Kreisen (Metz Stadt, Metz Land,Belchen, Chateau-Salins, Diedenhofen, Forbacli, Saarburg, Saargemünd).

Baldamus.

Zu Seite 42 und 43:

DEUTSCHLAND ZUR ZEIT DES DREISSIGJÄHRIGEN

KRIEGES

Während des Friedens, der in Deutschland seit 1555 herrschte, warder Katholizismus innerlich erstarkt, der Protestantismus geschwächt. Jenerhatte sich im Tridentiner Konzil auf sich selbst besonnen und zu einer festenEinheit zusammengeschlossen, für ihn arbeitete in Schule und Beichtstuhlder Jesuitenorden, und bald traten zielbewufste Fürsten (Maximilian vonBayern, Ferdinand von Steiermark) an seine Spitze. In diesem nahm derGegensatz des reinen Luthertums und des Kalvinismus eine unverzeihlicheSchärfe an, auch fehlte seit Moritz Tode ein protestantischer Staatsmann,zumal die Albertiner in Kursachsen aus Besorgnis vor den Ernestinern (Grum-bachsche Händel) Anlehnung an Ilabsburg suchten. Daran änderte auch diedurch die Kurpfalz vollzogene Stiftung der protestantischen Union (1608) nichts,denn es fehlte eine wirklich führende Macht, Kursachsen trat nicht einmal bei.Die 1609 gestiftete katholische Liga dagegen hatte einen solchen Führer inMaximilian von Bayern; zudem besafs der Katholizismus einen stets sichernRückhalt an Spanien. Ziel der Katholiken war nun eine vollständige katho-isc ie Reaktion in Deutschland. Zu dem Zweck wurde, nachdem schonu olf II (15761612) diesen Bestrebungen Vorschub geleistet, unter demstreng katholischen Ferdinand II (161937) ein innerösterreichischer Streitins Reich hinübergespielt, wo denn bald für Deutschland und Europa wicli-lge politische Fragen zu den religiösen hinzutraten.

as trehen, I rotestantismus und Ständefreiheit, die eng zusammen-hingen, in den österreichischen Erblanden zu brechen, hatte unter Rudolf Hzu emer Erhebung Ungarns geführt, die bald nach Österreich hinüber wirkte.Infolge dessen wurde unter Anerkennung der religiösen und ständischen Frei-heiten des Kaisers Bruder Matthias 1608 König von Ungarn und Guber-nator von Österreich und Mähren, während Rudolf für Böhmen 1609 denMajestatsbrief gewähren mufste. Danach erhielten die Anhänger des Abcnd-mahlsntus unter beiderlei Gestalt Religionsfreiheit, und die drei oberenStande (Herren Ritter, königliche Städte) das Recht des Kirchen- und Schul-baus; der gleichzeitige \ergleich gab dies Recht auch den Untertlianen auf

königlichen Gütern. Unter der Regierung des Matthias (161219) wurdenun 1617 die Zerstörung der auf Klostergebiet erbauten evangelischen Kir-chen in Braunau und Klostergrab befohlen. Die Protestanten, welche naclialtböhmischem Staatsrecht das Kirchengut als königlich betrachteten, sahendarin eine V erletzung des Majestätsbriefesund führten, da noch andere Über-griffe hinzukamen, Beschwerde. Als die Eingaben abgewiesen wurden, wrnrfendie böhmischen Edelleute die österreichischen Statthalter zum Fenster hin-aus (23. Mai 1618). Die Stände wählten nun eine provisorische Regierungund stellten ein Heer unter dem Grafen Tkurn auf. Die strengen Katholikenam Wiener Hof, (Jesuiten, Erzherzog Ferdinand, der spanische Gesandte)verhinderten einen friedlichen Ausgleich mit dem Kaiser; ganz unmöglich wardein solcher durch die Thronbesteigung Ferdinands II (1619). Nun er-wählten die Böhmen Friedrich V v. d. Pfalz zu ihrem König in der Hoffnung,dadurch die Hilfe der Union und Englands (er war Schwiegersohn Jakobs I) zuerlangen. Da schlofs der mit Spanien verbündete Ferdinand auch Bündnis mitMaximilian von Bayern. Für die Politik dieses Fürsten aber mufs beachtetwerden, dafs er zwar die katholische Reaktion wünschte, aber eine damit natur-gemäfs verbundene politische Machterhöhung des Kaisers im Interesse der ei-genen Fürstenstellung zu verhindern suchte. Diesem katholischen Bündnistrat das evangelische Kursachsen bei, bestimmt durch den Hafs gegen diekalvinische Pfalz und durch die Aussicht auf Erwerbung der Lausitzen. Beidieser Spaltung des Protestantismus mufste der geschlossene Katholizismustriumphieren. Der Sieg des Ligafeldherrn Tilly am Weifsen Berge (8. Nov.1620) machte dem Königtum Friedrichs V ein Ende; in Böhmen erfolgte einereligiös-politische Reaktion, die Lausitz ward von Sachsen besetzt. Damitwar der böhmische Aufstand niedergeworfen, der Zweck des Krieges alsoerreicht. Aber die Katholiken dachten den Sieg für Deutschland auszu-nutzen. Maximilian wollte Kurfürst werden und Spanien hatte schon Truppenin die Pfalz gesandt mit dem Hintergedanken, sich hier ein Bindeglied zwi-schen seinen Niederlanden und der Franche-Comtö zu erwerben. So verhängteder Kaiser die Acht über Friedrich V. Obgleich sich die Union auflöste,ging der Krieg fort, da für Friedrich die Söldnerführer Ernst v. Mans-feld, Christian v. Braunschweig, Georg Friedrich v. Baden-Durlach eintraten.Nach wechselvollen Kämpfen (Wiesloch, Wimpfen, Höchst) läfst sich Frie-drich durch Jakob I, dem der Kaiser die Wiedereinsetzung seines Schwieger-sohnes veisprochen, zur Entlassung der Söldner bestimmen. Nun ward diePfalz 1623 besetzt, und Maximilian, dem schon die Oberpfalz als Pfand über-wiesen war, erhält die pfälzische Kur. Hierbei wie bei der Achtserklärungwar das Reichsrecht, das für solche Dinge die Befragung der Kurfürstenforderte, verletzt, es gab zudem jetzt nur noch zwei protestantische Stimmenim Kurfürstenkollegium, endlich blieb Tilly auch nach Vertreibung Chri-stians v. Braunschweig (Stadtlohn 1623) in Norddeutschland stehen: esschien also abgesehen mindestens auf Vernichtung des Protestantismus,vielleicht auch auf Einschränkung der fürstlichen Selbständigkeit. Da aberSachsen wegen der Lausitz kaiserlich, Brandenburg neutral blieb, konntedie Rettung der Glaubensfreiheit leider nur vom Auslande kommen: Chri-stian IV v. Dänemark ward 1625 zum Obersten des niedersächsischenKreises gewählt und schlofs Bündnis mit England und Holland. Gleichzeitighatte Wallenstein ein kaiserliches Heer gerüstet und den Kaiser dadurchunabhängig von Maximilian gemacht. Ernst v. Mansfeld plante nun 1626einen Angriff auf die österreichischen Erbiande, indes beim ersten Versuchwurde er von Wallenstein an der Dessauer Elbbrücke geschlagen, beim zweitendurch den Jablunkaupafs nach Ungarn abgedrängt. Da inzwischen Christian IVvon Tilly bei Lutter am Barenberge geschlagen war, konnte Wallenstein 1627die Dänen aus Jütland treiben. Belohnt durch Mecklenburg, welches den wie-derum mit Verletzung des Reichsreclits geächteten Herzogen entrissen war,plante dieser die Errichtung einer deutschen Ostseeherrschaft, mufste aber,da die Belagerung Stralsunds 1628 scheiterte, diesen Plan aufgeben; ervereinbarte daher mit Dänemark den Lübecker Frieden 1629. Der Kaiserhatte vollständig gesiegt, ähnlich wie 1547 Karl V. Den Sieg auszu-nutzen, gab es zwei Möglichkeiten: entweder begründete der Kaiser aufWallensteins Heer gestützt mit Aussöhnung der religiösen Gegensätzeeine starke Reichsgewalt (das that gleichzeitig Richelieu nach der Er-oberung von La Rochelle, und das war auch Wallensteins Meinung); oderer führte zunächst die katholische Reaktion durch, dann waren neue Kämpfeunvermeidlich. Die eigne Überzeugung und die katholische Partei drängtendenrömischen Kaiser zu letzterem: er verkündete 1629 das Resti-tutionsedikt. Der Religionsfriede sollte beschränkt sein auf die Ständeaugsburgischer Konfession, alle seit dem Passauer Vertrag eingezogenenmittelbaren Kirchengüter und alle seit dem Augsburger Frieden in protestan-tische Hände gekommenen reichsunmittelbaren Stifter sollten den Katholikenzurückgegeben werden. Man berief sich dabei auf den Augsburger Friedenund das von den Protestanten nicht anerkannte reservatum ecclesiasticum.Wie es aber auch mit dem Recht stand, jedenfalls mulsten die Protestantenzu neuem Kampf getrieben werden, denn dadurch wurden die Reformiertenrechtlos und ca. 120 Stifter und Abteien (ich nenne nur die Bistümer Magde-burg, Bremen, Minden, Verden, Halberstadt, Lübeck, Ratzeburg, Meilsen,Merseburg, Naumburg, Brandenburg, Havelberg, Lebus, Camin) hätten her-ausgegeben werden müssen. [In welchen Orten die Restitution durchgeführtwurde, ist auf der Karte gekennzeichnet.] Dem Restitutionsedikt folgte dieEntlassung Wallensteins. Den Katholiken war Wallenstein nicht katho-lisch genug. Maximilian aber und mit ihm die Fürsten sahen es ungern, dafsdurch ihn der Kaiser von der Liga unabhängig geworden, dafs überhaupt diekaiserliche Macht erstarkte. Sie forderten deshalb des Generals Entlassung(1630), und derkatholische Kaiser gab nach. Das geschah zu einer Zeit,wo sich die p. 43/44 hervorgehobene europäische Bedeutung des Kriegesimmer mehr geltend machte: Richelieu arbeitete diplomatisch gegen Habs-burg, und Gustav Adolf landete in Pommern. Letzterer schlofs zunächst mitdem Pommernherzog Bogislav XIV einen Vertrag, wonach das Land trotzder brandenburgischen Ansprüche nach des Herzogs Tode an Schweden fallensollte. Daraus war klar, dafs den König nicht allein religiöse Gründe her-übergeführt hatten; mit berechtigtem Mifstrauen betrachteten ihn deshalbdie Kurfürsten von Brandenburg und Sachsen und dachten an eine bewaffneteNeutralität. Während nun Gustav Adolf sich der festen Plätze Brandenburgsversicherte, erfolgte die Zerstörung Magdeburgs, auf die wegen desKartons näher eingegangen werden mufs.

Seit Dezember 1630 war die Stadt von Pappenheim, seit AnfangApril 1631 auch von Tilly belagert, in ihr befehligte der schwedische OberstFalkenberg. Am 10. April stürmte Pappenheim den Trutz - Pappenheim,Magdeburger Succurs und Trutz-Tilly, am 11. die Schanzen bei Prester und