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Krakau, gleichzeitig eroberte Wolf v. Mansfeld die Buckauer Schanzen. Nach-dem dann zwischen 28. und 30. April die Werke auf der Jungferninsel unddem Krakauer Werder sowie der Trutz-Kaiser genommen waren, begann am30. der Angriff auf die Zollschanze und Mühlenschanze. Falkenberg räumtedie Zollschanze, liefs die lange Brücke abbrechen und die Vorstädte Suden-burg (1. Mai) und Neustadt (3. Mai) niederbrennen. Pappenheim setzte sichnun am 4. in den Trümmern der Neustadt fest. Nachdem am 4. und 12. Maivergebens die Übergabe gefordert war, wurde die Stadt seit dem 12. beschossenund von der Neustädter und Sudenburger Seite mit Minen angegriffen.Schon war eine starke Partei in der Stadt für Übergabe, und noch verhandelteman über eine dritte am 18. gestellte Aufforderung zur Ergebung, als in derFrühe des 20. Mai (10. alten Stils) der im Kriegsrat von Pappenheim durch-gesetzte allgemeine Sturm begann. Während der Angriff am Heydeck, Suden-burger und Schrotdorfer Thor vergeblich war, die Schanze am Holzmarschaber von den Verteidigern geräumt und ein Joch der kurzen Brücke abgebrochenwurde, drang Pappenheim am neuen Werk bei der Neustadt ein. Falkenbergtrieb ihn gegen die Hohe Pforte zurück, fiel aber; nun ging Pappenheim wiedervor, und seine Truppen öffneten den anstürmenden Kaiserlichen das Kröcken-und Ulrichsthor. W ährend der Plünderung brach an mehr als zwölf StellenFeuer aus (angelegt von Bürgern, vielleicht noch nach Instruktionen Falken-bergs, um den Feinden nur einen Trümmerhaufen zu lassen), die Stadt branntenieder bis auf zwei durch den starken Nordoststurm geschützte Stellen. Vonca. 1900 Häusern blieben stehen nur gegen 200, von 35 000 Menschen, dieaufser der Garnison aber mit Einrechnung der hineingeflohenen Fremden inder Stadt waren, kamen um 20000 bis 24000.
Nach dieser Katastrophe schlofs Brandenburg mit G. Adolf Bündnis,der dadurch eine sichere Stellung zwischen Oder, Spree und Havel gewann.Tilly machte einen vergeblichen Versuch, diese durch einen Angriff bei Werbenzu erschüttern, fiel dann in Kursachsen ein, um den Kurfürsten zum Bunde mitÖsterreich zu zwingen, bewirkte aber nur dessen Anschlufs an G. Adolf. Soim Rücken gedeckt gewann der König gegen Tilly die Schlacht bei Breiten-feld (17. Sept. 1631) und zog, w'ährend die Sachsen unter Arnim nach Böh-men einrückten, durch Thüringen und Franken nach Mainz. Im nächsten Jahrüberfluteten die Schweden Süddeutschland. G. Adolf öffnete sich durch denüber Tilly erfochtenen Sieg am Lech (Oberndorf 15. April) den Weg nachBayern und hielt am 17. Mai seinen Einzug in München. Von Böhmen undBayern her bedroht erkaufte der Kaiser Wallensteins Wiedereintritt durchVollmachten, die diesen mindestens zum alleinigen und unabsetzbaren Herrndes kaiserlichen Heeres machten. Während nun Wallenstein die Sachsen ausBöhmen vertrieb, ging G. Adolf nach Nürnberg. Wallenstein folgte, und beidestanden sich seit dem 16. Juli in festen Lagern gegenüber. Nachdem ein An-griff G. Adolfs (4. Sept.) zurückgewiesen war, zog er aus Mangel an Lebens-mitteln am 18. Sept. südwärts ab. Wallenstein folgte ihm nicht, sondernwandte sich nach Sachsen. Zum Schutz dieses Landes eilte G. Adolf herbei;in der Schlacht bei Lützen (16. Nov.) fiel der König, Bernhard von Weimaraber führte die Schweden zum Siege.
Wie G. Adolf sich die Neuordnung Deutschlands (corpus evangelicorumunter seinem Direktorium) gedacht hat, mag dahingestellt bleiben; zunächsthatte sein Tod die Folge, dafs die militärische und diplomatische Leitung beiden Schweden nicht mehr in einer Hand war, und dafs einem schwedischen Mi-nister (Oxenstjerna) gegenüber die protestantischen deutschen Fürsten schwie-riger, der vom König fern gehaltene französische Einflufs mächtiger wurde. Aufgegnerischer Seite wünschte Wallenstein im Gegensätze zu Maximilian und derspanischen Partei Herstellung des Friedens unter Aufgabe des Restitutions-ediktes. Er hinderte nicht, dafs Bernhard von Weimar Regensburg eroberte,führte den Krieg überhaupt lässig, durchkreuzte in seinen Unterhandlungenmit den Feinden die Politik des Wiener Hofes und stand vor dem offenen Ab-fall vom Kaiser, als er am 25. Fehl-. 1634 zu Eger ermordet wurde. Wallen-steins Ermordung war im Grunde die Folge seiner Unabsetzbarkeit und deraufserordentlichen Vollmachten; seine Beseitigung war wieder ein Triumph derspanisch-katholischen Partei, die Frieden und Ausgleich mit den Protestantenverhindern wollte. Trotzdem konnte sie das Restitutionsedikt nicht behaupten.Vielmehr schlofs nach dem Siege der Kaiserlichen bei Nördlingen (1634)Kursachsen 1635 den Prager Frieden, wonach es die Ober- und Nieder-lausitz erhielt, jenes Edikt thatsächlick beseitigt wurde, und die Kirchengüterin den Händen der Evangelischen blieben. Diesem Frieden traten bei Bran-denburg, Mecklenburg, Anhalt etc., fast ganz Norddeutschland. Bei solcherLage mufste Oxenstjerna den Franzosen immer mehr Einflufs auf die Kriegs-leitung gewähren. Hervorragend unter den weitern Rviegsereignissen sind dieErfolge Bernhards von Weimar am Rhein (Rheinfelden, Breisach). Er empfingzwar französische Subsidien, hoffte jedoch sich selbst ein Fürstentum gründenund die Franzosen von Deutschland fern halten zu können. Bei seinem plötz-lichen Tode (1639) wurden seine Truppen von Frankreich angeworben,das seitdem direkt in den Krieg eingriff. Nachdem 1637 Ferdinand IIIKaiser geworden, und seit 1640 unterhandelt war, wurde endlich 1648der Westfälische Friede zu Münster und Osnabrück abgeschlossen,ln geistlicher Beziehung wurde für die Restitution der 1. Januar 1624 alsNormalzeit (für Württemberg, Baden, Pfalz 1618) angenommen (in den öster-reichischen Erbländern blieb also die Reaktion), und Gleichberechtigung derProtestantischen und katholischen Stände nebst Duldung andersgläubigertJntertlianen zugestanden; in weltlicher Beziehung die Ohnmacht vonumM^ Unt * durch die seinen Ständen zugesprochene Souveränität
Sei''? 3n andern Stellen (pag. 43, 44, 45) behandelten Abtretungen anland si ^ k rard< rcich besiegelt. Die Besitzveränderungen in Deutsch-der Karte 1 °' dcm an Senommenen Grundsatz der Amnestie gegen den aufdenbure eilten Stand von 1618 verhältnismäfsig gering: 1) Bran-
und für sei^ lllalt Hinterpommern (der letzte Herzog war 1635 gestorben)stadt Mindei 611 , rz ? (dlt au f Vorpommern die Bistümer Camin, Halber-Administratnr« ^ d * e Anwa i'tschaft auf Magdeburg (nach dem Tode desdie Kurwürde v ll ^ st von Sachsen 1680 einverleibt). 2) Bayern behält1607 hpspwin t? 1 ^ , m sckon 1628 vom Kaiser gegebene Oberpfalz und diehält die Unt P ,.fi 1ChSStadt I)onau "örth. 3) Der Pfalzgraf bei Rhein er-die Lausitzen I) , a , z zurück und eine neue (8te) Kur. 4) Sachsen behältu nd Ratzeburu J , e c k ^ en b 11 r g erhält für Wismar die Bistümer SchwerinUersfeld. 7 ) i;. einige J ohannitergüter. 6) Hessen-Cassel die Abteiwechselnd mit \ a u 11 s c h w e i g -L ü n e b u rg soll das Bistum Osnabrück ab-Gröningen und wT katllolisclie T n Bischof besetzen und erhält die Klösterzollern in Jä<T Pr J!i ’ e T d ' Nicht wieder eingesetzt wurden die Ilolien-
dazu Beuthen° und 0 °,wi Bies ,. ha ‘ te 1 Geoi 'g von A «sbach 1523 gekauft undeig für Erbansprüche auf Oppeln und Ratibor er-
halten. 1603 waren diese Länder an Kurfürst Joachim Friedrich gefallen, dersie 1607 seinem Sohn Johann Georg gegeben hatte. Ihm war 1617 Beutlienund Oderberg durch die Stände abgesprochen, 1621 war er als Anhänger Frie-drichs V geächtet und hatte auch Jägerndorf verloren. — Die Behandlung derübrigen Territorien als Fortsetzung von p. 43 soll, um Wiederholungen zuvermeiden, mit Deutschland im 18. Jahrh. verbunden w’erden. —
Baldamus.
Zu Seite 44 : EUROPA UM 1740.
Das 18. Jahrhundert leiten zwei grosse Kriege ein, durch welche die fran-zösische Vorherrschaft im Westen, die schwedische im Nordosten gebrochenwird. Seitdem herrscht der Gedanke des europäischen Gleichgewichts,zumal auch die Türkei gleichzeitig ganz aus Ungarn verdrängt war. Neuerringen sich die europäische Grofsmachtstellung Rufsland und Preufsen.
Die Übermacht Frankreichs, schon bedroht in der zweiten Hälftedes 17. Jahrh. (vergl. p. 44), wurde vernichtet durch den spanischen Erb-folgekrieg (1700—1714). Bereits die Frieden von Ryswyk (1697) undCarlowicz (1699) waren von Frankreich und Österreich geschlossen, um freieHand zu bekommen für die spanische Frage. Bei dem bevorstehenden TodeKarls II mufsten nämlich herrenlos werden Spanien, die spanischen Nieder-lande, Mailand, Neapel, Sizilien, Sardinien und die amerikanischen Kolonien.Die für diese Erbschaft in Frage kommenden Verwandten mag ein Stamm-baum zeigen. Philipp HI f 1621
Anna Philipp IV f 1665 Maria Anna
Gern. Ludwig. XIII. v. Frankr. Gern. Kaiser Ferdinand III + 1657.
I _I_ I
Ludwig XIV. Maria Theresia. Karl II. Marg. Theresia. Leopold I 2 . Claudia v. Tirol
t 1715. t 1700. t 1705.3. Eleonore v. d Pfalz
Ludwig Dauphin t 1711
Philipp V.
Marie AntonieGem.MaxEmanuelv. Bayern
1. JosefI. 2,Knrl(III)VI
t 1711 t 1740
Ludwig Dauphin
I 1712 I
Josef Ferdinand
+ 1699.
Aufser Bayern konnten also Ludwig XIV und Kaiser Leopold I Ansprüche fürihr Haus erheben, für jeden lag mithin die Möglichkeit vor, eine Ländermassezu vereinigen, wie sie einst Karl V (vgl. p. 41) besessen. Dabei wurde bei-den die Rechtsfrage von vorn herein zu einer Machtfrage. Es mischtensich aber ein auch die unter Wilhelm III (p. 44) zu gemeinsamer Politikvereinigten Seemächte Holland und England; sie wollten vor allem verhin-dern, dafs die spanische Monarchie mit der österreichischen oder französi-schen Krone vereinigt werde, oder überhaupt ungeteilt bleibe. Deshalb gingenaus den schon vor Karls II Tode zwischen ihnen und Frankreich gepflogenenUnterhandlungen Teilungsverträge hervor; der spanische König jedoch hattezuerst den Kurprinzen von Bayern und nach dessen Tode (1699) den zweitenEnkel Ludwigs XIV, Philipp (V) v. Anjou zum Gesamterben eingesetzt. Ludwigproklamierte diesen nach Karls Tode (1700) sofort als spanischen König. Natür-lich waren damit die österreichischen Ansprüche nicht beseitigt, Leopold Ierklärte vielmehr seinen zweiten Sohn Karl (III) als spanischen Thronerben;dabei war mafsgebend die Rücksicht auf jene Wünsche der Seemächte, dennKarl hatte zunächst keine Aussicht auf die Nachfolge in Österreich. Beidieser Lage konnten nur die Waffen entscheiden; es traten auf ÖsterreichsSeite die Seemächte, Preufsen, Hannover, 1702 das deutsche Reich, 1703Portugal und Savoyen; auf Frankreichs Seite Bayern und einige kleineredeutsche Fürsten. Wieder hatte sich also eine grofse Koalition gegen Frank-reichs Übermacht, die durch die Erwerbung Spaniens noch drückender zu
werden drohte, gebildet. Preufsen focht dabei zugleich für Anerkennungseiner Königswürde, England für die protestantische Thronfolge. Da näm-lich Wilhelm III kinderlos war, hatte das Parlament 1701 beschlossen, dafsmit Aussclilufs der katholischen Stuarts die Krone an Jakobs II Tochter Annaund dann an Jakobs I Enkelin Sophie (Tochter Elisabeths und Friedrichs Vv. d. Pfalz), vermählt mit Ernst August von Hannover, und deren Nach-kommen fallen solle. Ludwig XIV aber erkannte noch immer den 1688vertriebenen katholischen Jakob II als englischen König an und nach dessenTode (1701) auch seinen Sohn Jakob III.
Der Krieg selbst nahm einen für die Verbündeten günstigen Verlauf, be-sonders durch das Verdienst des Prinzen Eugen und des Lord Marlborough, derzugleich Haupt der Whigs war, und dessen Gemahlin die Königin Anna (1702—14) völlig beherrschte. Nachdem der Versuch Max Emanuels von Bayern, Tirolzu erobern, an dem Widerstand der kaisertreuen Tiroler gescheitert war (1703),wurden Franzosen und Bayern 1704 durch die Schlachten bei Donauwörth(Marlborough und Ludwig von Baden) und bei Hochstedt oder Blenlieim(Eugen und Marlborough) aus Deutschland verjagt; dann siegte 1706 Marl-borough bei Ramillies, Eugen bei Turin, beide vereinigt 1708 bei Oudenardeund 1709 bei Malplaquet. In Spanien w r ar Philipp V als König anerkanntworden; die Engländer nahmen zwar 1704 Gibraltar, 1706 Menorca; Karl(III) aber, der 1704 in Barcelona gelandet war, konnte sich trotz einer vor-übergehenden Besetzung Madrids (1706) nur in Katalonien und Aragonien,wo der alte Gegensatz gegen Kastilien wieder auflebte, halten. Das änderteindes nichts an Frankreichs Niederlage; Ludwig XIV war 1709 bereit,sich den härtesten Bedingungen zu unterwerfen, als ohne sein Verdienstein völliger Umschwung eintrat. Zunächst verlor Lady Marlborough ihrenEinflufs auf die Königin Anna; das führte 1710 zu einem Ministerwechsel,das neue Torykabinett aber wünschte den Frieden. Zweitens starb 1711Kaiser Josef I, es folgte ihm sein Bruder Karl VI, der Habsburgische Präten-dent für die spanische Krone; wären also die Seemächte ferner für ihn ein-getreten, so hätten sie gerade das erzielt, was sie vermeiden wollten, die Wie-deraufrichtung der Macht Karls V. Als deshalb Philipp V für sich und seineNachkommen auf die französische Thronfolge verzichtete und Ludwig XIVdies anerkannte, schlossen die Seemächte, Savoyen und Portugal mit Frank-reich den Frieden zu Utrecht (1713). Von den Verbündeten verlassen schlofs1714 Österreich zu Rastatt, von allen verlassen das deutsche Reich zu BadenFrieden. Das Resultat war: 1) Philipp V erhält Spanien und die Kolonien.2) England aufser Besitzungen in Nordamerika (Neufundland, Akadien, Ilud-sonbailänder), Gibraltar und Menorca, sowie die Anerkennung der Thronfolgefür das Haus Hannover. 1714 bestieg dasselbe mit Georg I den englischenThron, bis 1837 bestand Personalunion mit Hannover. 3) Österreich erhältdie bisher spanischen Niederlande, Mailand (über Mantua vgl. Italien), Neapel,Sardinien. 4) Holland bekommt 1715 durch den Barrieretraktat das Besat-zungsrecht in einigen belgischen Festungen (vgl. p. 73). 5) Savoyen erhält einenTeil Mailands, Sizilien und den Königstitel. 6) Preufsen überläfst an Frankreich
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