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Flachs.
ob er gleich, wenn er gerauft wird, dem Acker keine Stoppeln zurückläßt undseine Blätter wenig atmosphärische Nahrungsstoffe aufnehmen mögen. DieUrsache, daß die unmittelbar nach ihm folgenden Früchte mehr oder wenigerzurückschlagen, liegt nicht allein in dem Aussaugen desselben unmittelbar, son-dern weit mehr in dem ungünstigen mechanischen Zustande des Ackers, inwelchem die Flachsernte denselben verläßt, was um so auffallender wird, wennWinterung nach ihm folgen soll. — Behandlung des Flachses wäh-rend der Vegetation. Unter günstigen Umständen geht der Lein den5ten bis 7ten Tag auf, unter ungünstigen aber oft erst in 8 bis 14 Tagen;kommt er auch dann noch nicht, so ist anzurathen, eine neue Saat vorzu-nehmen. Ist das Aufgehen durch von Regengüssen zusammengeschläirmrtenBoden erschwert, so zerbreche man die harte Kruste aus der Oberfläche ent-weder durch eine mit kurzen, stumpfen, hölzernen Stacheln versehene Walze,oder, indem man eine Schafheerde darüber hintreibt. Ist der Boden sehr aschig,und kommt unmittelbar nach der Saat ein starker Regenguß, so werden dieflach bedeckten Leinsamen herausgespült, bleiben oberflächlich liegen und wer-den entweder eine Beute der Vogel oder vermälzen. In diesem Falle mußnoch einmal gemälzt werden. Ueberhaupt gehört aber eine zu trockne Wit-terung so wie der Erdfloh zu den Hauptfeinden des Flachses und es sinddiese oft allein die Ursachen einer unvollkommenen Ernte. Zur Abhaltungdes Erdflohes von der jungen Leinsaat empfiehlt man dieselbe mit Gyps,Asche oder Taubenmist zu überstreuen, oder den Samen in Bier einzuwei-chen, oder denselben kurz vor der Aussaat mit Knoblauch zu vermengen.Auch der Reik-wurm (s. Maulwurfsgrille) fügt der Leinsaat nicht unbeträcht-lichen Schaden zu; man empfiehlt, ihn durch das Einstecken grüner Ahorn- oderHollunderzweige in die von ihm gemachten Gänge oder auch durch einigeTabakspflanzen zu vertreiben. Die Vogel sind durch Vogelscheuchen abzu-halten. Ein nicht minder gefährlicher Feind des Flachses ist Las Unkraut,vornehmlich der Leindotter, das Klebkraut oder Klebrig, der Hedrich, diegelbe Wucherblume, und am meisten die Flachsscide, auch Teufelszwirn ge-nannt. Diese letzte Schmarotzerpflanze umspinnt nicht nur die Flachsstengel,sondern sie schlägt auch ihre Wurzeln in dieselben ein und entzieht ihnen dieSäfte, so daß sie vertrocknen. Wenn auch diesis Unkraut sich zwar ebennicht sehr häufig findet, so ist es doch gewöhnlich, wo es zum Vorscheinkommt, um den Flachs geschehen, da das Jäten nichts nützt. Der Samedesselben ist oft im Boden enthalten und es kommt in nassen Jahrgängen inden Wicken und im Flachse zum Vorschein, noch häufiger werden aber dieSamen mit den Leinsamen ausgesäet, weshalb bei gekauften Samen dieReinigung' über feine Siebe unerläßlich ist. Die andern Unkräuter, unterdenen auch der Leindotter, wenn er in großer Menge vorhanden ist, denFlachs oft gänzlich unterdrückt, können durch eine gute Bearbeitung desAckers, durch reinen Samen und vorzüglich durch gut.s, sorgfältiges Aus-jäten entfernt gehalten tverden. Das Jäten ist überhaupt eine der wichtigsten und kostspieligsten Arbeiten beim Flachsbau. Der Zeitpunkt desselbentritt gewöhnlich dann ein, wenn die Pflanzen 2 bis 4 Z. hoch sind. Wder Flachs bis zu dieser Höhe dicht geschlossen aufgewachsn, so unterdrückter die schwächern Unkräuter und man hat nur die siarkstengeligen auszuzieehen. In einem verunkrauteten Boden muß das Jäten so oft wiederholtwerden, als das Unkraut überhand nimmt, und dennoch wird man bei dergrößten Sorgfalt nicht im Stande sein, es genügend zu vertilgen. Will