Buch 
3 (1839) Dritter Band. Eag-Fut / bearbeitet von einem Vereine von Landwirthen und Gelehrten, herausgegeben von F. Kirchhof
Entstehung
Seite
539
JPEG-Download
 

FlachSdarre.

539

sich noch viele gleiche und ziemlich lange Fasern befinden, die ein sehr gutesSpinnmaterial geben, wenn sie nur in eine gleiche Richtung gebracht werden,so bewerkstelligt man dies dadurch, daß man das Werg vorerst mit einemStocke gehörig aufschüttelt und über eiserne Kamme zieht. Diese Kammebilden 2 Reihen Zinken, auf Bretchen befestigt, die mit Handhaben versehensind. Der auf diese beiden Kämme gethane Flachs wird nun in der Artgekämmt, daß die Fasern desselben von einander gestrichen werden. Boneinem dieser Kämme wird nun das Werg gesponnen. Die Güte desFlachses besteht lediglich in einer feinen, haltbaren, langen Faser; denn nurdurch das Ausammenspinuen langer Fasern erhalt das Gespinnst Dauer undFestigkeit, weil die Flachsfasern ganz glatt sind und daher kurze Fasern zuwenig an einander haften. Ertrag. Der rohe Flachs erleidet, von sei-nen Samenkapseln befreit, durch das Abrösten, Dörren und Brechen einenAbgang von 70 bis 80 Procent, ja zuweilen noch mehr, je nachdem dieGüte des Flachses ist. Im Durchschnitt kann man 80 Procent Abgangveranschlagen. Der Ertrag des Flachses selbst hängt von sehr verschiedenenUmständen ab, und man wird unter sonst günstigen Umständen bei einerLeinaussaat von 3 Scheffeln auf den magdeb. Morgen etwa 500 Psd. Flachsund 100 Pfd. Werg annehmen dürfen. 100 Psd. gebrechter Flachs gebenaber in der Regel nur 25 Pfd. rein gehechelten. Der Abfall, die sogenann-ten Brechannen, welche vornehmlich durch das Brechen, so wie auch durchanderweite Bearbeitung des Flachses entstehen, haben einen geringen Werth,da solche nur zur Feuerung oder als Einstreumittel zur Düngergewinnunggebraucht werden können; die beste Anwendung desselben ist zur Einstreu.Die Räthlichkeit eines ausgedehntem Flachsbaues wird zuvörderst von einemleichten und sichern Absatz des Productes bedingt; deshalb eignet sich seineKultur vorzugsweise für Gebirgsgegenden, wo in der Regel viel gesponnenund gewebt wird. Demnächst kommt es dei der Kultur im Großen aufdie zu Gebote stehenden Arbeitskräfte an; nur wo diese im Ueberflusse undin geeigneter Art zu haben sind, rechtfertigt sich eine ausgedehnte Flachscul-tur. Endlich ist auch nicht zu übersehen, daß der Leinbau die Bodenkraftverringert; daher man erst mit seinen Aeckern in gehöriger Düngung seinund ihnen auf anderweitige Weise mit den nöthigen Düngmitteln beikom-men können muß.

Machsdttrre. Wenn man, wie es nwistens der Fall ist, die Bear-beitung des Flachles nicht im Sommer vornehmen kann, so muß man sichzum Dörren desselben gewöhnlich künstlicher Wärme bedienen, was aber we-gen Feuersgefahr mit großer Behutsamkeit zu verrichten ist, weshalb es auchin den gewöhnlichen Wohngebäuden die Polizei mit Recht verboten hat.Eine Flachsdarre sollte daher immer in einer gewissen Entfernung von denDörfern angelegt werden. Das Wesentliche der Einrichtung einer Flachs-darre besteht etwa darin, daß man statt des gewöhnlichen runden Backofensein langes Viereck wählt. Wollte man z. B. aus diese Art einen Darr-kasten, der ein Gebäcke von 5 berl. Scheffeln aufnehmen kann, herstellen,so wird man dem Herde ungefähr eine Breite von 3 F. und eine Längevon 5 bis 6 F. zu geben haben. Die Höhe des Ofens richtet sich nachder Länge des zu dörrenden Flachses. Ein solcher Ofen wird möglichst kunst-los und nur nach den Grundsätzen bei unsern gewöhnlichen und bekanntenBratöfen erbaut. Doch hält man es für zweckmäßig, sogleich da, wo dieFeuerzungen vom Feuerherde unter dem Fußboden des Kastens aufsteigen,