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3 (1839) Dritter Band. Eag-Fut / bearbeitet von einem Vereine von Landwirthen und Gelehrten, herausgegeben von F. Kirchhof
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FNnt».

Flinten halten nur mit schwacher Ladung gut zusammen, andere fordernmehr Pulver zu einem guten Schusse, doch sind wohl stets die letztemvorzugehen; weshalb die Gewehre darauf zu versuchen sind. Giebteine Flinte durchaus keinen befriedigenden Schuß, so wird am bestender Büchsenmacher dabei zu Hülfe genommen. Zwar suchen sich vieleJäger selbst zu helfen, wenn ihr Gewehr den Schuß verloren hat, in-dem sie das Zündloch gut verstopfen, den Lauf rein ausputzen, dannvoll scharfen Essig gießen und die Mündung zustopfen. Das Gewehr

bleibt 24 Stunden so stehen, wird dann ausgegossen, aber nicht ausgewischt,und nach einigen Tagen der Rvstanflug, welcher sich gebildet hat, mit trock-nem Werge abgerieben. Doch hilft dieses Verfahren nur so lange, bis derNost wieder ausgeschossen ist, und greift das Rohr sehr an, obschon es ihmweniger schadet, als das Ausrelben mit gestoßenem Glase, was man auchsehr oft anzuwenden pflegt. Die Flinte muß nach jedem Gebrauche gutabgewischt und, wenn viel daraus geschossen worden ist, das Rohr mit heißemWasser ausgewaschen und sorgfältig ausgetrocknet werden; auch ist das Schloßabzuschrauben und inwendig mit feinem Oele oder besser mit Klauenfett ab-zubürsten und überhaupt nachzusehen, ob die einzelnen Theile noch imguten Zustande sind. Vornehmlich bedarf die leichtere Doppelflinte wegenihrer schwachem Rohre einer großen Sorgfalt, da letztere Lurch veralteten Rostleicht so ruinirt werden, daß sie b-im Gebrauche zerspringen können, oderwenigstens doch den guten Schuß verlieren. Ist die Flinte nach der letztenJagd auch vollkommen gereinigt und gut aufbewahrt worden, so muß mansie doch, wenn sie wieder zur Hand genommen wird, genau besehen, denGang der Schlosse probiren und sie nöthlgensaUs in Stand setzen; auchsind vor dem Laden dsi! Rohre auszubrennen, d. h. mit höchstens -x der ;Pulverladung, ohne Propf darauf, abzuschießen, und dann gleich auf den Brandvollständig zu laden. Man darf sich bei der Ladung ja nicht übereilen, undmuß vorzüglich beim Doppelgewehr darauf bedacht sein, daß nicht ein Rohr2mal geladen werde. Den Ladestock in den einen Lauf zu stecken, währendman in den andern die Ladung schüttet, erscheint deshalb durchaus nichträthlich, weil, wenn ein Schrotkorn neben dem Stocke hineinfällt, er sich ,

oft so fest verklemmt, daß man ihn ohne Instrumente nicht wieder heraus- !

ziehen kann. Der Vorschlag auf das Pulver muß zwar fest darauf gescho-ben, doch die Ladung nicht durch mehrmaliges Daraufstoßen zu sehr zusam- ^mengedrückt werden. Beim Feuerschloß muß während des Ladens etwasWerg vor das Zündloch gelegt, und beim Percussionsgewehr das Zündhüt-chen stets nach beendigter Ladung aufgesteckt werden. Bei der Doppelflintedarf man, wenn nur ein Rohr abgeschossen ist, nie eher wieder laden, alsbis das andere Schloß in die Mittelruhe gesetzt, oder noch besser, eine Siche-rung vorgelegt worden ist. Wenn man bei der Doppelflinte nur einenLauf einigemal abgeschossen hat, so muß man den Pfropf im andern Laufe j

wieder aufsetzen, weil dieser bei jedem Schuß, besonders wenn der Lauf erst

frisch geputzt und glatt ist, etwas verrutscht, und wenn dies oft geschieht,der Lauf durch das Abfeuern desselben springen könnte. Zur größten Siche-rung nimmt man beim Laden das Zündhütchen ganz ab, und trägt außer-dem noch das Gewehr auf der Jagd so, daß die Mündung nie aus einePerson gerichtet ist. Zur schnellen und regelmäßigen Ladung benutzt manjetzt fast allgemein die englischen Patent-Schrotbeutel und Pulverhörnec; dochsind die daran angebrachten Maße für gewöhnliche Doppelflinten zu groß,