Flinte.
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wird oberhalb durch 2 unmittelbar' an den Lauf gelöthete Röhrchen einge-schoben. — c) Das Schloß ist beim Ankauf einer Flinte besonders zu prü-fen (vergl. Büchse). Beim Percussionsschloß verdienen unstreitig die nachenglischer Art gearbeiteten, wo das Rohr unmittelbar auf dem Stoßblecheruht, wegen Dauerhaftigkeit und festen Zusammenhaltens des Schaftes, denVorzug. Die sogenannten halben Schlosse, bei welchen der Hahn am vor-dem Ende steht, müssen in die Kröpfung des Schaftes eingelassen werden,verschwäch n denselben gerade an der Stelle, wo er den meisten Halt bedarf,e und machen vorzüglich die Doppelflinten leicht zerbrechlich. Die Kasten-schlosse haben dieselben Fehler und sind dabei noch weniger dauerhaft alsvorgenannte. Beim Percussionsschlosse muß der Hammer (Hahn) so aus-gehöhlt sein, daß die Zündhütchen sich bei der Explosion nicht darin verklem-men, sondern leicht herausfallen können. — Die Garnitur oder das Be-schläge einer Flinte macht man jetzt gern aus Holz, weil das Gewehrhierdurch nicht nur leichter wird, sondern bei Winterjagden auch wenigerkältet. Der Lade stock soll nicht zu schwach und aus möglichst schweremund zähem Holze, oder auch aus Fischbein gefertigt, und zur Schonung desRohres mit einem hölzernen Knopfe, der das Kaliber ziemlich ausfüllt, versehensein. Beim Anschießen (s. d.) einer Flinte hat man zu ermitteln, welches Ver-hältniß des Blei's zum Pulver, und welche Menge dem Gewehre angemessen ist.Für eine gute einfache Flinte giebt man das Verhältniß des Pulvers zumBlei wie 1 zu 6, und für schwächere und Doppelflinten wie ll zu 7 an.Es soll nehmlich eine, das Kaliber vollkommen füllende, Paßkugel gewogen! und zur Ladung ebenso viel Schrot und nach Umständen der 6te oder 7te, Theil Pulver genommen werden. Um das Abwiegen zu umgehen, laßt
j man sich ein cplindrisches Maß machen, dessen Durchmesser dem des Rohr-
kalibers gleich ist und die Tiefe des doppelten Diameters hat; dieses giebtdie Schrotladung. Ein gleiches Maß, was jedoch nur Diameter Tiefehat, giebt die Pulvcrladung. Einer feinen Flinte kann man jedocheine um einhalbmal stärkere Ladung geben, ohne das Geringste befürchtenzu müssen, und der Schuß wird weit besser decken, d. h. die Schrote wer-den in dem Raume, auf welchem sie sich ausbreiten, weit dichter zusammen-sitzen, als bei einer schwächer» Ladung. Da man von einem starkem Schussestets mehr Leistung erwarten kann, als von einem zu schwachen, vorzüglich,wenn der Schütze genöthigt ist, über die gewöhnliche Schußweite von 40Schritten hinaus zu schießen, so setzen die meisten Jäger der Ladung so langezu, bis sich das Gewehr rührt, d. h. bis sie beim Losschießen einen leichtenj Stoß der Flinte spüren. Eine gute einfache Flinte muß nicht nur alle
i Sorten Schrot, sondern auch Posten und Laufkugeln ohne alle Gefahr des
Zerspringens schießen, sobald sie mit der nöthigen Vorsicht geladen wordenist. Aus einer schwachen Doppelflinte soll man aber Posten und Laufkugeln/ erst dann schießen, wenn man sich von ihrer Haltbarkeit überzeugt hat, und
^ nie, wenn die Rohre kleines Kaliber haben. Wenn beim Anschießen eine
Flinte iXro. 3 und 4 gut schießt, so kann man darauf rechnen, daß sie diefeinern Nummern noch mehr zusammenhalt; indessen verlange man nicht,daß sie alle Nummern gleich gut schieße, und begnüge sich, wenn sie nurin einer etwas Ausgezeichnetes leistet. Jede Flinte wird die Schrote ambesten schießen, welche die Zirkelfläche des Kalibers möglichst dicht ausfüllenund daher bei der Ladung mehr eine zusammengedrängte Masse bilden, alsdie, welche sich auf dieser Flache nicht so vollständig eintheilen lassen. Manche