Buch 
3 (1839) Dritter Band. Eag-Fut / bearbeitet von einem Vereine von Landwirthen und Gelehrten, herausgegeben von F. Kirchhof
Entstehung
Seite
633
JPEG-Download
 

F-rankenweirie.

633

nachteilig erweist, und die edelsten Arten derselben zeigen überdies, wennsie eben entwickelt sind, eine erwärmende und belebende Kraft, viel An-nehmlichkeit, Geist und einen eigenthümlich edeln Grundgeschmack. Siewerden an den Orten ihres Ursprungs sehr sorgfältig, künstlich gepflegt;auch bereitet man durch Eoncentration mehrere kräftige Arten Weine, z. B.durch das Gefrieren, wie ausgefrorner Würzburger, oder dadurch,daß man nach der Lese die reifsten und besten Trauben auf eigens dazubereitete Strohlager legt und sie hier eine Zeitlang, der Sonne ausgesetzt,trocknen und welken läßt, bevor man sie auspreßt, wie den Strohwein.Den ersten Rang unter allen Frankenweinen nimmt der Leistenwein ein,der am Frauenberg bei Würzburg ungefähr auf 60 Morgen wächst, und,wenn er ein gewisses Alter ha^ durch seinen angenehmen Duft, Wohlge-schmack und stärkende Eigenschaften alle deutschen Weine übertrifft, daherauch öfters theurer bezahlt wird, als der beste Rheinwein. Noch feurigerals der Leistenwein, aber nicht so aromatisch und angenehm als dieser istder Sreinwein, der am Steinberg bei Würzburg auf 400 Morgen wächst.Der beste und edelste Stcinwein wird gewöhnlich in Flaschen von besondererGestalt (Bocksbeutel) versendet, welche ungefähr ^ preuß. Quart Inhalthaben. Zur künstlichen Darstellung eines, dem Steinweine ähnlichen Weinesempfiehlt man, 1 Theil gefrornen Most mit 2 Th. zweimal gefrornen Wein, wenigstens ein Jahr lang im Fasse liegen zu lassen. Dann folgen der Cal-^ muth, eine Art süßer Liqueurwein, welcher den berühmtesten ungarischenWeinen ganz nahe kommt, und der auf dem Felsen Triffenstein wächst,und der Schalksbergerwein. Im großen Handel kommt jedoch vonden Frankenweinen vornehmlich nur der Würzburger undWerthheimervor. Der gewöhnliche Würzburger wird um Würzburg, Kitzingen, Mark-stest, Marktbreit u. s w. gebaut, ist hell- oder bleichgelb, schwächer alsRheinwein, etwas säuerlich, minder süß und minder voll als der Werthheimer.Dem nach dem nächsten Auslande bestimmten giebt man gewöhnlich durchgebrannten Zucker eine liefere Farbe. Der Werthheimer kommt vornehm-lich von den am rechten Mainufer gelegenen Bergen, welche sich von demOerrchen Urphär bis nach Haslach ausdehnen. Er ist nach dem Stein-,Leisten- und Calmuthwein der beste Frankenwein; er kommt unter allendiesen dem ächten Rheinwein im Geschmack am nächsten, ist, wenn auchnicht feurig, doch süßer, milder, und angenehmer als der Rheinwein, undwird daher von Manchem, wegen seiner der Gesundheit zuträglichen Eigen-schaften, demselben vorgezogen. Er ist, in Folge des guten Bodens, aufdem er wächst, fett, und entwickelt seine Eigenschaften erst nach 6 bis 8Jahren, wo er dann in guten Kellern und auf Fässern, die stets aufge-füllt gehalten werden, lange unabgezogen bleiben kann und durch das Alter,wie die Rheinweine, an Güte zunimmt. Man kann den Werthheimer nachseiner Güt ein 3 Klassen theilen, nehmlich: asRemberger undWettern-burger; I>) Kirffelsteiner und,amSand; e) Haßlocher. Wenngleich letzterer im Anfange lieblicher zu trinken ist, als die zwei erstem, sosind doch diese zum Lagern vorzuziehen. Angenehme Tischweine, besondersin guten Jahren liefern Klingenberg und Großen. Zu den vor-züglichen Mainweinen gehören auch noch jene, welche in den baierschenAemtern Atzen au und Hammelburg bei Hörstein, Michelbach, Al-jenau, Kälberau und Saleck, und in den churhessischen Grafschaften Hanauund Jscnburg zu Kilianstädten, Hochstädl, Neuses, Gelnhausen, Langen-