Buch 
3 (1839) Dritter Band. Eag-Fut / bearbeitet von einem Vereine von Landwirthen und Gelehrten, herausgegeben von F. Kirchhof
Entstehung
Seite
640
JPEG-Download
 

640

Frankreich.

Caux bildet die ganze Gegend nur Ein unübersehbares Dorf, dessen Häuserauf der ganzen Oberfläche des Landes zerstreut liegen und nichts mit ein-ander gemein haben, als die Kirche, welche in Verbindung mit den Woh-nungen des Geistlichen, des Kaufmannes, des Schmiedes and der Schenkedas bilden, was man Dorf nennen könnte. Ob zwar gleich diese Lage derDörfer einige Unbequemlichkeiten hat, so bietet sie doch für den Landbauungemeine Vortheile dar, da hier die Besitzungen arrondirt sind. Man fin-det übrigens das Zerstreutliegen der Gehöfts in den meisten Gebirgsländernund in mehrern minder bevölkerten Gegenden des mittlern Frankreichs; nir-gends jedoch ist es so allgemein, als in dem Departement der Niederseine.Von der Seine bis zum Lande Brai, von Rouen bis Havre sindalle Schlosser sowohl als Lusthäuser und Bauergüler nach einem Muster an-gelegt. Sie liegen sämmtlich in einer Umgebung, Hof genannt, mit Aepfcl-bäumen bepflanzt und mit einem Graben umschlossen, hinter dem sich einhoher breiter Erdwall erhebt, auf welchem 3 bis 4 Reihen großer Bäume,Buchen, Eichen, Ulmen u. s. w>, von schönem Wuchst stehen, die Schutzgewähren und das sonst theure Brennholz liefern. Die Höfe, welche eineFläche von 2 bis 12 Heckaren und mehr halten, sind mit Aepfelbaumenbepflanzt, unter denen ein dichtes Gras wächst, das abgetüdert wird. Inden Wällen befinden sich einige Ausgänge, die mit Thoren verschlossen wer-den. Im nördlichen Theile der-Champagne bestehen die Scheunen, auch >wohl die Schasstalle, nicht aus Mauecwerk, sondern aus Weidengeflechten,die bis an das von Stroh gefertigte Dach hinanreichen. Außen um dieauf diese Art errichteten Schafställe werden im Winter, zur Abhaltung derKälte, Strohbunde gelegt. Die Ackerinstrumente in Frankreichbedürfen, wenn sie auch nicht gerade alle zu den schlechtesten gehören, dochmeistens noch mancherlei Verbesserungen, da namentlich mehrere dort imGebrauch befindliche Pflüge zu schwer und unzweckmäßig construirt sind,wodurch viel thierische Kraft verschwendet und nur unvollkommene Arbeitgeliefert wird. In der Picardie, Champagne und in mehrern andern Ge-genden von Frankreich gebraucht man vornehmlich den, auch in Deutsch-land, am Rhein, in einem großen Theil von Schwaben, üblichen Wende-pflug, mit einer schmalen, lanzettförmigen Schar, womit jedoch dieAckerleute ziemlich geschickt zu pflügen pflegen. Zu der ganzen südlichvon der Seine gelegenen Normandie bedient man sich des normänni-schen Pfluges, der für einen der besten Räderpflüge gilt. EinenContrast des kleinen vortrefflichen normännischen Pfluges bildet der Pflugvon Eaux, der riesenmäßige Dimensionen, ohne viel Festigkeit besitzt, undunter andern ein hinten beinahe wieder völlig nach vorn gekrümmtesStreichbret hat, weshalb der Pflugstreisen sehr schlecht umgewendet undmehr zusammengeschoben wird, so wie es auch unmöglich ist, tief zupflügen und den Pflug gerade zu halten. Der Lothringer Pflug istplump; doch bestimmte die Beschaffenheit des Bodens den Landmann, ihmdiese Gestalt zu geben; er ist mehr stark als groß. Auf der HalbinselSaint-Maup, welche den sandigsten und wärmsten Boden in der Um-gegend von Paris hat, wendet man einen Pflug nach Art des von Herr»Guillaume erfundenen an, der für den besten in der ganzen Gegend gilt-Dieses Instrument ähnelt den bessern Schwingpflügen, und unterscheidet fichvornehmlich durch die Richtung, welche der Erfinder der Zuglinie gegebenhat. Der Pflug von Brie galt ehedem als der beste von ganz Frankreich;