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3 (1839) Dritter Band. Eag-Fut / bearbeitet von einem Vereine von Landwirthen und Gelehrten, herausgegeben von F. Kirchhof
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Frankreich

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er ist groß in seinen Verhältnissen, Hot ein feststehendes Streichbret und ein. Vordergestell mit Rädern, wie olle Pflüge in dem nördlichen und einem! großen Theile des mittlern Frankreichs. Er drückt den umgekehrten Erd-

, streifen fest, was der Lockerung des Bodens schadet; auch muß er mir 3

Pferden bespannt werden, auf einem Boden, wo ein Schwingpflug nur 1höchstens 2 bedürfen würde. In Caux hat man eiserne Eggen,welche die Form eines Trapeziums haben und in der Mitte ihrer schmalenSeite angespannt werden, wodurch man bewirkt, daß jeder Zinken siine eigeneBahn beschreibt. Das Walzen ersetzt man durch das Ueb rführen der sehrbreüfelgigen Wagen und Karren, welche man mit Steinen beschwert. DerGebrauch der Wagen mit 4 Rädern !m Lande Caux ist überraschend, dasolches rund von Gegenden umgeben ist, wo man nur zweiradrige sieht. ImAllgemeinen ist das landwirthschafcliche Maschinenwesen in Frankreich nochsehr zurück. Die Viehzucht steht im Allgemeinen in Frankreich in keinemgerechten Verhältniß zum Ackerbau ; nur die bessern Gegenden des nörd-lichen Frankreichs machen eine Ausnahme, obgleich alljährlich noch 48 bis50 Mill. Franken bloß für Producte aus dem Thierreiche, und zwar derHausthierzucht, ins Ausland gesandt werden. Im Jahre 1833 betrug dieZahl der Pferde in ganz Frankreich 2^ Mill., die der Ochsen und Stiere815,000, der Kühe 4 Mlll, der Esel'2,400,000, der Schweine 4 Mill.,der Schafe 31 Mill. Ein Landgut von 3 Pflügen (120 bis 130 Hecta-ren) Land in der Picardie hat 20 Kühe, 350 Schafe, N bis 10 Pferde.Auch in Vexin halt man viel Vieh. Aus 2 Pflüge Land, worauf manhier nicht mehr als 60 bis 70 Hectaren rechnet, hat man 30 bis 40 Kühe,oder 8 bis 9 Kühe und 150 bis 200 Stück Schafe, ohne zu ihrer Ernährungauch nur einen Fuß breit Wiese zu besitzen. Bei einzelnen einsichtsvollernLandwirthen findet man wohl einen v.rhälknißmäßig noch starkem Viehbe-stand. Auch im Bezirke von Havre ist die Viehhaltung stark. In den! bester,, Theilen der Landschaft Brai halt man auf einen Acker Land von

I 66 Ären (s. d.) eine Kuh, was ein ungeheures Verhältniß ist. In den

schlechten Theilen der Ckampagne, in Lothringen u. s. w. rechnet man aufeinen Pflug oder 25 bis 30 Hectaren nicht mehr als 10 gemeine Schafe,2 bis 3 Kühe und 11 Pferde u. s. w. In einigen Gegenden der Pi-cardie hält man vornehmlich Kühe, um mit deren Milch Kälber für Pariszu mästen. Man kauft diese in einem Aller von 14 Tagen bis 3 Wochenund stellt sie bis zu einem Alter von 3 Monaten auf die Mast. Sie er-halten nichts als Milch, so viel sie saufen wollen, und in der letzten Zeitnoch Eier. In andern Gegenden 'werden die Kühe mager angekauft, undwenn sie fett und hochtragend sind, an die Pariser Milchhöker verkauft.Diese behalten die Kühe nur so lange, als sie vollauf Milch geben und ver-kaufen sie dann wieder an die Fleischer; deshalb, und weil ihnen die Erfah-rung erwiesen hat, daß eine Kuh nach dem Kalben um so mehr Milch giebt,je fetter sie bei demselben ist, sehen sie bei ihrem Einkaufe nur auf fetteKühe. In Vexin benutzt man die Milch auf Butter, die jedoch dadurchan Güte verliert, daß, da die Landwirlhe davon so viel als möglich auf ein-mal zu machen suchen, sie deshalb nur einmal in der Woche schlagen. Diej Kühe, von denen die meisten aus der Niedernormandie hierher kommen, «>-j halten im Winter Mengsuiter von Roggen, Wicken, Linsen, Platterbsen u.f.w., das man entweder grün schneidet und zu Heu macht, oder reif wer-den läßt und ungedroschen füttert; im Sommer läßt man sie auf die Klee-,Eonv. Lcx. d. ges. Land- u. Hausw. Ili. g >