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3 (1839) Dritter Band. Eag-Fut / bearbeitet von einem Vereine von Landwirthen und Gelehrten, herausgegeben von F. Kirchhof
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Frankreich.

Esparsette- und Luzernefelder gehen, oder tüdert sie hier. Im Lande Cauxist das Tüdern des Rindviehes ganz gewöhnlich, indem man dabei vornehm-lich darauf sieht, daß die Thiere niemals auf das noch stehende Futter tre-ten. In der Landschaft Bkai, wo Milchkühe den größten Theil des Vieh-standes ausmachen, wird die Milch zu Butter, in der Umgegend von Neuf-chakel aber zu den köstlichen kleinen Käsen, Neufchateler Spunde oderweiße Neufchateler genannt, bearbeitet. Butter und Käse werden nachParis, Rouen und Havrc versendet und tragen viel zum Wohlstand desganzen Landes bei. Die hiesigen Kühe, von normännischer Race, geben imDurchschnitt entweder 3000 bis -1000 Stück Käse des Jahres, von denen100 S-ück für 10 bis 12 Franken verkauft werden; oder 170 Psd. But-ter und 300 Pfd. halbfette sogenannte Heukäse. In Bcie giebt eine Kuhjährlich 8 bis 12 Dutzend Käse, von denen das Dutzend für 45 bis 60Franken verkauft wird. Eigenthümlichkeiten der bessern französischen Rind-viehwirthschast sind noch die Mästung mit saurem Futter, und das dreima-lige Melken gut gefütterter Kühe. Die Schafzucht steht zwar inFrankreich viel höher, als die Rindviehzucht; indessen hat sie doch denangemessenen Grad ihrer Ausdehnung und Vollkommenheit noch nicht nurannähernd erreicht. Man rechnet im Königreiche 800,000 Stück ächte Me-rinos; die übrige Zahl besteht aus veredelten (Metis-) Schafen (400,000 iStück) und verschiedenen einheimischen Stämmen. Unter letztem unterschei-den sich auf eigenthümliche Weise die Schafe aus der Picardie, ohne Hör-ner, mit weißen Schnauzen und seidenartigen hängenden Ohren, deren Wollegrob und von mittlerer Länge ist; dann die aus der Normandie, mit rothenBeinen und Schnauzen und grober Wolle, welche Race aber immer mehr ^verschwindet. Eine dritte Schafart, die auS Berry, hat AehMichkeit mitdem englischen Dünenschafe und eine feine Wolle. Außer diesen einheimi- ^schen Arten und den Merinos, hat Frankreich seit länger als 10 Jahren diebeste Race englischer Schafe. Der größte Theil der Besitzer zahlreicherSchafheerden besitzt hinlängliche Kenntnisse, so wie auch das Fabrikationsweseneinen erstaunenswürdigen Aufschwung genommen hat. Das Vließ vielerfranzösischen Merinos kommt an Feinheit bereits der schönsten sächsischenElectoralwolle gleich, so wie auch das Sortiren und Waschen' der Wollegegenwärtig nach der besten Methode geschieht, und die weitere Behandlungderselben mit den vortrefflichsten Maschinen vollbracht wird. Die größte Me-rinvsheerde besitzt in Frankreich der Graf Heracle de Polignac, welche7000 Stück zählt. Man befolgt bei der Merinoszucht zwei ganz entgegen-gesetzte Systeme. Das eine beruht nehmlich darauf, daß man sämmtlicheProducte der Merinos auf die größte Menge und zugleich auch auf diegrößte Vollkommenheit bringen will. Man will hiernach allerdings die mög-lich feinste Wolle, doch will man auch zugleich jene Eigenschaft nicht ver-nachlässigen, welche dem Tuche das Markige, den Körper und die Festigkeitgeben, und welche mit dem Gewebe des Vließes im Zusammenhange stehe».Ferner sollen die Schafe auch, abgesehen von der Güte der Wolle, vielFleisch geben. Andere Besitzer feinwolliger Schafe hingegen haten in Frank-reich das sächsische System eingeführt, nach welchem bei der Merincszuchklediglich der höchste Grad von Feinheit berücksichtigt wird, während man vonder Menge der Wolle, die jedes Stück giebt, das Nervige der Wolle undden guten Bau, die Größe und die Kraft der Thiere ganz unbeachtet.

Zur Erreichung dieses höchsten Grades der Feinheit, behauptet man nach