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Handbuch der älteren und neueren französischen Litteratur : mit biographischen Notizen über die Schriftsteller und erläuternden Anmerkungen für die oberen Klassen der Gelehrten- und Realschulen / v. C. G. Hölder
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Voltaire.

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der Marquis von la Fare, der Marschall von Villars, der Grossprior vonVendome, der Prinz von Conti und andere befanden. Hier lernte er zuerstden Ton der feinen Welt kennen, der ihm auch als Schriftsteller eigen blieb,und wodurch er sich vorzüglich sein Publikum und seinen Einfluss verschaffte.Sein Hang zur Satire, und die Ausfälle, die er sich auf Fanatismus undPfaffenherrschaft erlaubte, machten ihm viele Feinde. Doch gelang es ihmim Jahr 1746 eine Stelle in der Akademie zu erhalten. Im Jahr 1750 ginger auf die Einladung Friedrichs des Grossen nach Potsdam; dieser behandelteihn mit der grössten Auszeichnung, und küsste ihm sogar in einem Augen-blicke aufwallendeu Freundschaftsenthusiasmus die Hand. Doch dauertediese Freundschaft kaum ein Jahr. Von Paris verbannt kaufte er das LandgutFerney in der Nähe von Genf, wo er den Best seines Lebens in stolzerUnabhängigkeit zuzubringen beschloss. Aber zu sehr an die Bewunderungder Welt gewöhnt, reiste er noch in seinem vierundachtzigsten Jahre nachParis, wo ihm ungeachtet des noch nicht aufgehobenen Verbannungsdekretesder Aufenthalt gestattet wurde. Hier wurde er von allen Seiten mit den aus-[ gezeichnetsten Ehrenbezeugungen beinahe erdrückt, und sein aufgeregtes' Gefühl, verbunden mit ununterbrochenen litterarischen Arbeiten und der ver-änderten Lebensweise, wirkte höchst nachtheilig auf seine Gesundheit. Erselbst' fühlte dies, und sagte:Ich bin nur nach Paris gekommen, um meinenBuhm und mein Grab zu finden. Er starb daselbst den 30. Mai 1778 im fünf-undachtzigsten Jahre seines Alters. Unter seinen zahlreichen Schriften sind

i wohl seine dramatischen die vorzüglichsten. Noch jetzt sind seine Trauer-spiele Lieblingsstücke der Franzosen. Im Lustspiele war er trotz allemWitze nicht glücklich. Ausser seinen Trauerspielen dürfte die Henriade einer| vorzüglichen Auszeichnung werth sein. Unter seinen historischen Arbeiten( zeichnen sich besonders das Siecle de Louis XIV. et XV., so wie die Histoire! de Ci.arles XII ., letztere jedoch mehr in Hinsicht des Stiles und der Dar-stellung aus. Die philosophischen Bomane, Abhandlungen, kleineren Poesien,Erzählungen, Dialogen u. s. w. zeigen überall den umfassenden Geist undgesandten feinen Darsteller. 41s Prosaiker ist Voltaire unerreichbar, soschön und glänzend ist sein Ausdruck, so reich sein Witz. Als dramatischerj Dichter hat er das schönste Kolorit, das die französische Bühne kennt. SeineI Trauerspiele stehen im Ganzen denen Bacines nach, übertreffen sie aber in| Schilderungen des Herzens und der Leidenschaften. Auch haben seine Kunst-i werke mehr philosophischen Gehalt als die von Bacine und Corneille. Unter! allen französischen Schriftstellern ist er vielleicht derjenige, der die Eigen-thiimlichkeiten seiner Nation am vollendetsten in seinen Werken spiegelt;daher er auch immer ein Lieblingsschriftsteller für die Weltleute bleiben wird.

Histoire de Charles XII.

Liv. I. II.

Charles XI., roi de Suede, epousa en 1680, Ulrique Eleonore,Alle de Frederic III., roi de Danemarck, princesse vertueuse, et dignede plus de confiance que son epoux ne lui en temoigna: de ce mariage