dem Briefe seinen Lauf, und glaubten den Inhalt errathenzu haben.
Kaum hatte ich mit dem Fenster die einzige Oeffnnng,die mir noch zugänglich war, zugemacht, und mich in denLehnstuhl zurück gezogen, so fühlte ich ganz deutlich, daß derMittag vorbei sey, und knöpfte meine Weste enger zusammen.Die französische Artigkeit, sagte ich mir, wird dich dochnicht verhungern lassen, ehe sie dich verhört hat? Das siehtihr nicht gleich. Selbst in dem dickköpfigen Deutschland be-fördert die Gerechtigkeit, die überall konsequent handelt,keinen in die andere Welt, dem sie nicht eine Henkersmahl-zeit mit auf den Weg gibt. Es muß, nach der Regel, demVerurteilten erst wieder wohl seyn, ehe sie ihn weiter überdie Gränze des Lebens schickt, die Migräne muß dich erstverlassen haben, ehe man dir den Kopf abschlägt, und dieStrafe des Stranges wird aufgeschoben, so lange der krankeDieb noch nicht, von seiner Bräune kurirt ist.
Diese Gedanken, die mir der Hunger eingab, wurdendurch einen Auftritt unterbrochen, der ihnen eine ganz an-dere, aber um nichts bessere Richtung anwies. Meine Nach-barinnen — auch mein Bastian kamen zurück — Haus undStube wurden geöffnet, und die verspätete Mahlzeit wurdeaufgetragen. Wenn dieses eine Veränderung in meiner Lagegab, so war sie jedoch mit Umständen begleitet, auf die ichganz gern Verzicht gethan hätte. Tante und Nichte brachteneine Verstärkung mit, die mir nicht anstand. Die Alte wurde