Zweiter Gesang.
Die neue Sonne rollte den jungen Tag des Jahres her-auf. Ihr ungewohnter Blick übersah schüchtern die Planeten,die sie bescheinen sollte, und nun wandte sie auch ihr un-schuldiges Gesicht zu unserer Erdkugel. Ein Heer vorausbe-zahlter Gratulanten jauchzt' ihr entgegen, andere, unglücklicher,zerrissen das Neujahrsgedicht, seit dem frostigen Septembergeschmiedet; denn ihr alter Mäcen ist den heiligen Abendvorher gestorben, und hinterläßt geizige Erben, die den Apollsammt den Musen verachten und ungeheißene Arbeiten nie-mals großmüthig belohnen. Verjährte Rech e, drohendeWechselbriefe, erfüllte Hoffnungen und erseufzte Majorenmtätendrängen sich auf den Strahlen des neuen Lichts in das beunru-higte Herz des erwachten Sterblichen. Aber friedliebend und sanftwirkt sie, die mächtige Sonne, auf die Felsenherzen der Großenund in die morschen Gebeine der Helden, die jetzt, voller Nei-gung zur Ruhe, sich beschwerlich von ihren Lagern erheben, umihre Wunden verbinden und die Merkmale ihrer Tapfer-keit vernähen zu lassen. Stolz auf ihr Elend behängensie den krüppelichen Körper mit den bunten Zeichen des gnä-digen Spottes der Fürsten, mit dem theuern SpielwerkeTtn-mmel, sammtl. Werke, vu 10