Band 
[Siebenter und achter Band.]
Seite
165
JPEG-Download
 

165

schon den alten Gerichtsherrn, und es schliefen auch schon seinealten Bedienten, ob es gleich erst Neune geschlagen. Desankommenden Fremdlings ehrwürdige Krause flößte demWächter des Hofs die schuldige Achtung ein, daß er ihn,nachdem er sein Verlangen erforscht, bis an die Stube derjungen Gräfin begleitete. Mit ihrer vertrauten Jose, Sibyllegenannt, saß die muntere Komtesse, den einen ihrer nied-lichen Arme auf ihre verschobene Toilette gelehnt, und hieltin der andern einen vergoldeten zärtlichen Brief, den sie erstjetzt an den Hofmarschall, ihren Geliebten, geschrieben. Sielas ihn mit gedämpfter Stimme ihrer kritischen Freundinvor, die aufmerksam zuzuhören schien, und unmerklich nurgähnte. Aber wer kann das Schrecken beschreiben, als dergekrümmte Zeigefinger des verspäteten Pastors an die Stu-benthür donnerte. Sie glauben gewiß, ein prophetischer Ver-dacht habe die zänkische Gouvernantin erweckt, die wie einPolizeivcrwalter alles Unrecht entdeckte, und dem altenGrafen verrieth. Mit angenommener Freimüthigkeit gebotdie betroffene Komtesse ihrer Zofe, die verschlossene Kammer-thüre hurtig zu öffnen: doch ihr furchtsamer Wink wider-sprach ihrem Befehle. Die kluge Sibylle verstand ihn, ginglangsam zu Werke, klapperte scheinbar an der Thüre, undschmälte entsetzlich auf das strenge verrostete Schloß, da indeßihre Gebieterin die nöthige Zeit gewann, mit Lan de Levanteihre Hände zu waschen, die hier und da von der verräthe-nschen Dinte noch glänzten, und auch den anklagenden Brief