207
ihn diese Kunst auch da nicht, als er im Begriffe stand, wieer es selbst nennt, seinen Staubmantel abzuwerfen. Erunterhielt noch die Umstehenden durch muntere Anekdotenund schalkhafte Bemerkungen. Er ersuchte seinen Sohn Moritz,ihm aus La Bruyère das Kapitel über die Freigeister vor-zulesen. Bewegt von den Gedanken des Philosophen, unter-brach Thümmel den Vorleser und rief: „Bin ich gegen diesesgroße All mehr als eines der Thierchen, dem sein ganzesDaseyn nur für wenige Stunden gefristet wird! Und docherhebe ich mich durch den Gedanken!" Er erinnerte sich Hiebeiwohl auch seiner Hymne an die Sonne, deren Werth er beialler ihrer Pracht doch unter den Menschen setzte, da nurdieser seiner selbst bewußt, frei und unsterblich sey. —Wenige Tage vor seinem Tode sagte er unter Andern:: „Esist doch eine eigene Sache mit dem Menschen: da wird erhieher geschickt, und er muß erst diese Erde bereisen, umdann in eine andere Welt überzugehen; es verlangt michdoch recht sehr, zu erfahren, wie es drüben ist." — Am18. Oktober 1817 verschied er still und ruhig.
Jur Charakterisirung Thümmels als Schriftsteller undMensch mögen noch folgende Notizen dienen.
Sein kräftiger Körper war von mittlerer Größe, und seinanziehendes Acußere wurde besonders durch das sprechendeAuge ausgezeichnet. — Seine Kenntnisse waren sehr mannig-faltig, wenn auch nicht immer erschöpfend. Von Sprachenbesaß er nur das Lateinische und Französische, diese aber