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4 (1828) Briefe aus dem bernerischen Oberlande : ; Tagebuch einer Reise nach München ; Berg-, Land- und Seereise / Ulrich Hegner
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mehr zusammennehmen, die Eigenschaften eines Men-sehen, viel weniger einer Gesellschaft, oder gar einesganzen Völkleins bestimmen zu wollen; ich weiß auchzu gut, wie sehr man oft auf Reisen ganz aus sich-jectivcn Gründen urtheilt, wenn Man noch so Unpar-theyisch zu seyn glaubt; nicht nur Wetter, Witths-keute, Begegnung wirken nnmerkkich auf uns und un-ser Urtheil, sondern auch die sinnliche und sittlicheGewohnheit thut es öfter als wir meinen. Davongiebt die Kleidung der Oberhaslerinnen den auffallen-desten Beweis; denn da sie vor einigen Jahren nochihre Röcke hoch bis unter den Busen aufbanden, alsdas ganze übrige schöne Geschlecht im christlichen Eu-ropa sie um der feinen Taille willen kaum über dieHüften gehen ließ, glaubte jedermann, sich Über dieseltsame Tracht aufhalten und bedauern zu Müssen,daß die schöne Lcibcsgestakt dieser Mädchen so ganzdarunter versteckt bleibe; selbst Meiners fand „dießhohe Schürzen der Röcke ungeheuer und lächerlich,"auch die Zeitung für die elegante Welt nannte jüngstnoch diese Kleidungsart höchst abgeschmackt, und alleReisende und Reisebcschrcibnngcn bestätigten es. Alsdie guten Kinder endlich merkten, daß man sich überihre Tracht aufhielt, und etwas von dem allgemeinenBedauern hörten, fing der ihrem Geschlechte natürlicheTrieb zu gefallen sich auch zu regen an, sie bandenihre Kleidung kürzer, und glaubten nun dem gutenGeschmack ein befriedigendes Opfer gebracht zu haben;