208
schauend. Der 7. September hatte schon seinen An»fang genommen; es war Sonntag, und aus der Tieftherauf tönte der ferne Klang des Kirchengcläutcs.Ich hatte da den ganzen Tag sitzen können, wenigerhinunter als noch höher hinaufstrcöcnd, dorthin woder heitern Stille und des süßen Friedens unwandel-bare Fülle herrscht. O hatte ich die Flügel der Mor-genröthe, mich zu verlieren', wie sie, in die unendli-chen Räume des Lichtes, daß mein innres Leben Ruhefände, und Befriedigung mein forschender Geist!
Schon öfters habe ich wahrgenommen, daß mirFernrohre auf hohen Bergen nicht viel Vergnügen ge-währen. Mein Auge ruht so gerne auf dem Gan-zen, schweift umher in den Weiten der Aussicht; meineGedanken haben so viel mit dem Großen und Unge-wöhnlichen, das vor mir liegt, zu thun, daß einzelneKirchthürme, Schlosser und andre Ocrtlichkeiten michwenig anziehen; und bis ich ruhig genug wäre, dasEinzelne zu untersuchen, ist die Zeit langst verstrichen.Ich mag auch nicht hinabgczogen werden zu den Af-fekten der Niederung, wenn ich mit Fleiß hinaufge-stiegen bin, um über sie hinwegzusehen. Hier dasschauseligc Auge ohne besondere wissenschaftliche Ur-sache in einen Tubus zu zwingen, kömmt mir jedes-mal vor, wie wenn ich aus einem Pallast in ein Ge-fängniß trete. Das Gleiche habe ich auch schon häu-fig an Andern beobachtet, sie wurden der Sehrohreweit eher satt als der Aussicht. Eine ähnliche Be-
wandliiß