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Ueber die Grösse und Figur der Erde : eine Denkschrift zur Begründung einer mittel-europäischen Gradmessung nebst einer Uebersichtskarte / von J.J. Baeyer
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Polar-Coordinaten. Astronomische Bestimmungen.

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den günstig gelegenen Hauptsternwarten wünschenswert,weil im Allgemeinen die Längenunterschiede, besonderswenn sie klein sind, aus den Polar-Coordinaten mit grössererSicherheit gefunden werden können als durch Zeitbestim-mungen, und weil, wie früher schon gezeigt wurde, Ab-weichungen der Lothlinie aus der allgemeinen Meridian-ebene ebenso gut auf die Zeitbestimmungen wie auf dieAzimuthe einwirken. Dazu kommt noch, dass die Zeit-übertragungen durch den Telegraphen noch mancherleiStörungen unterworfen zu sein scheinen, welche geeignetsind, die Resultate mehr oder weniger unsicher zu machen.Das grosse Vertrauen, welches man anfangs in diese Artdes Zeittransportes setzte, ist namentlich dadurch etwasherabgestimmt worden, dass das Nordlicht, zufolge mehr-facher Beobachtungen, elektrische Ströme in den Telegra-phendrähten hervorruft. Da nun schwächere elektrischeProcesse sehr häufig in der Atmosphäre stattfinden mögen,die uns unbemerkbar bleiben, weil sie sich nicht bis zu denLichterscheinungen des Nordlichtes steigern, die aber den-noch einen Einfluss gewinnen können, so wird bei dieserArt der Zeitübertragung das Gefühl der Unsicherheit nichteher zu beseitigen sein, als bis man Mittel gefunden hat }sich der momentanen Fortpflanzung der Zeichen unzweifel-haft zu versichern *).

5. Ausgleichung der astronomischenBestimmungen.

Durch die Bestimmung von Polhöhe und Azimuth aufallen Punkten ist das auf der jKarte dargestellte Netz zueinem astronomischen geworden, welches einer ähnlichen

*) Encke (Abh. d. Berl. Akademie 1858) giebt den telegraphisch ge-messenen Zeitunterschied zwischen Berlin und Königsberg = 028' 24",1. Aus den beiden Polhöhen und den beiden Azimuthen er-hält man 0 28' 24",27. Eine solche Uebereinstimmung ist abernicht überall erreicht worden.