Band 
Erster Theil.
Seite
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hen. Verschwanden die Gestalten, so studirte er ihre ver-längerten Schatten an Wand und Zimmerdecke, um zu er-kennen, welches Röschens Schatte» sey und was sie thue.Es war freilich gar nicht angenehm, in Frost und Schnee dazu stehen und Beobachtungen zu machen. Aber was fechtenFrost und Schnee einen Liebhaber an! Und Nachtwächterlieben heutzutage so romantisch, wie irgend zärtliche Ritterder Vorwelt in Romanzen und Balladen.

Er spürte den Einfluß der Kälte erst, als es eilf Uhrschlug und er von Neuem die nachtwächterliche Rolle begin-nen sollte. Die Zähne klapperten ihm vor Frost. Er konntekaum die Stunde anrufen und dazu blase». Er wäre gernin ein BierhauS eingekehrt, um sich wieder zu erwärmen.

Wie er nun durch ein einsames Nebengäßchen ging, tratihm eine seltsame Gestalt entgegen, ein Mensch mit schwar-zer Halblarve vor dem Gesicht, in einen feuerrothen Seiden-mantel gehüllt, auf dem Haupte einen runden, seitwärts auf-geschlagenen Hut, phantastisch mit vielen hohen, schwanken-de» Federn geschmückt.

Philipp wollte der Maske ausweichen. Diese aber ver-trat ihm den Weg und sagte: „Du bist mir ein allerliebsterKerl, Du! Du gefällst mir! Wo gehst Du hin? Sag'mir's."

Philipp antwortete: „In die Muriengaffe, da ruf' ichdie Stunde."

„Göttlich!" rief die Maske, „das muß ich hören. Ichwill Dich begleiten. So was hört man nicht alle Tage.Komm Du nur, närrischer Kerl, und laß Dich hören; aberdas sag' ich Dir, als Virtuose laß Dich hören, sonst bin ichnicht zufrieden. Kannst Du ein lustiges Stückchen singen?"

Zschskke I, ^ H