„Sehen Sie," sagte Philipp, „icb bin ein Versucherganz eigener Art. Ich suche die Tugend und Treue unterden Weibern und finde sie so selten. Die Treueste und Tu-gendhafteste kann mich allein fesseln, — darum fesselt michkeine. Dock, holla, nein, daß ich nicht lüge. Eine hat mich ge-fesselt. Aber es thut mir leid, Frau Marschallin, das sindeben Sie gerade nicht."
„Sie sind in einer abscheulichen Laune, Prinz!" sagtedie Wittwe, und das Zittern ihrer Stimme und das Auf-und Abwogen ihres Busens verrieth, was in ihr vorging.
„Rein," erwiederte Philipp, „ich bin, so wahr ich lebe,in der ehrlichsten Laune von der Welt. Ich möchte gern ei-nen dummen Streich wieder gut machen. Ich hab' es Ih-rem Manne auch gesagt."
„Wie?" rief die Wittwe erschrocken: „Sie haben demMarschall Alles.offenbart?"
„Nicht eben Alles, nur was ich wußte."
Die Wittwe wandte sich in heftiger Bewegung rechtsund links. Sie rang die Hände. Endlich fragte sie: „Woist mein Mann?"
Philipp zeigte auf den Mameluken, der in dem Augen-blick mit langsamen Schritten daher kam.
„Prinz!" sagte die Wittwe mit einem Tone voll unaus-sprechlichen Zorns: „Prinz, verzeihe Ihnen Gott, ich kannIhnen nie verzeihen. Solcher Abscheulichkeit hielt ich niedas Herz eines Menschen fähig. Sie sind ein Verräther.Mein Mann ist ein Ehrenmann im Mamelukenkleide. Siesind ein Mameluk im Ehrenkleide. In dieser Welt sehenSie mich nicht wieder." — Mit diesen Worten wandte sie