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lieber Philipp! Sprich leise, daß uns Niemand hört. Ichbin nur auf ei» Augenblickchen von der Gesellschaft wegge-schlichen, Dich im Borbeigehen zu grüßen. Bist Du ver-gnügt?"
„Wie ein Gott vergnügt, Du Engel!" sagte Julian.Wer könnte bei Dir auch traurig seyn?"
„Philipp, ich habe Dir etwas Gutes zu sagen. Dusollst morgen Abend bei uns effen. Die Mutter hat eö er-laubt. Kommst Du auch?"
„Alle Abend, alle Abend!" rief Julian, „und so langeDu willst. Ich wollte, Du könntest beständig bei mir seyn,oder ich bei Dir, bis an der Welt Ende. Das wäre ei«Götterleben!"
„Höre, Philipp» in einer halben Stunde bin ich bei derGregorienkirche. Da erwarte ich Dick. Du fehlst doch nicht?Laß mich nicht lange warten. Dann machen wir noch einenGang durch die Stadt. Nun geh', damit uns Niemandüberrascht."
Sie wollte gehen. Julian aber zog sie zurück und inseinen Arm. „Willst Du mich so kalt von Dir scheiden las-sen?" fragte er und drückte seinen Mund auf ihre Lippen.
Röschen wußte nicht, was zu Philipp's Keckheit sagen.Denn Philipp war immer so bescheiden und zärtlich gewe-sen, daß er höchstens einen Kuß auf ihre Hand gewagt hatte,ausgenommen einmal, da ihnen Beiden die Mutter allenund jeden Umgang hatte verbieten wollen. Damals warvon ihnen, im Gefühl der höchsten Liebe und des höchstenSchmerzes, der erste Kuß gewechselt worden; seitdem niewieder. Röschen sträubte sich) aber der vermeinte Philipp
Zschokke I. 8