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Sie erzählte endlich Alles, was vorgefallen war; aberwie es zum Kuß und Gegenkuß kam, stockte sie wieder mitder Sprache. Doch mußte es heraus.
„Es ist nicht wahr!" rief Philipp, „ich habe Dir keinenKuß gegeben und von Dir keinen empfangen."
„So hat er Dir doch gegolten," sagte Röschen leise undschmeichelnd. Philipp rieb sich die blonden Haare auf demWirbel herum, damit sie nicht zu Berge stehen sollten.
„Höre, Philipp, bist Du es nicht gewesen," sagte Rös-chen ängstlich, „so glaube ich Dir alles Ungläubige, das Dumir gesagt hast, — so ist es Prinz Julian in Deinen Klei-dern gewesen."
Das hatte Philipp schon lange geahnet, und er rief:„Der Spitzbube! Er hat mich um Deine Küsse bestohlen.Nun begreif' ich! Nur darum gab er mir seine Maske, nurdarum wollte er auf eine halbe Stunde Ich seyn!" — Undnun fiel ihm die Maske ein, die ihm von der Opernsänge-rin Rollina, dann von Röschen erzählt hatte, und er er-neuerte sein Verhör strenger, als vorher, ob und wie sieden Prinzen früher gesehen? ob ihr nicht ein Mann aufge-fallen sey, ein vornehmer Herr, der ihr beim Kirchengehennachgeschlichen sey, oder der sich im Milchgäßchen Geschäftegemacht habe? oder ob nie ein Herr oder sonst Jemand zuihrer Mutter gekommen sey, um sie mit Geld und Wohltha-ten in ihrer Verlassenschaft zu unterstützen?
Röschens Antworten fielen sämmtlich so beruhigend aus,und trugen so sehr das Gepräge der unbefangensten Unschuld,daß Philipps Herz wieder leicht ward. Er warnte sie vorden Schleichern und vor der Barmherzigkeit der Vornehmen;und Röschen hinwieder warnte vor den Gefahren der Maö-