Band 
Zweiter Theil.
Seite
38
JPEG-Download
 

38

AIS aber Grafen, Ritter und Herren im Lande dasWachsthum der Städte sahen, wurden sie fast eifersüchtig.Und sie trachteten ebenfalls nach Erweiterung von Machtund Einkünften; dienten eifriger um neue Lehen und Güterden Königen und Herzogen und Klöstern; oder führten kleineKriege mit Nachbarn, um Raub zu machen. Viele, die ih-ren Vortheil kannten, erleichterten dabei ihren Angehörigendie Last der Leibeigenschaft, und sahen gern, wenn sich aufihren Gütern das Volk mehrte. Weil seit Eroberung desLandes aller Boden mit Wohn' und Weid' und Wald ihrEigenthum oder Lehen geworden, vertheilten sie nun dieGrundstücke» welche urbar oder Weideland waren, an dieHaushaltungen, die dafür die Grundzinse und Zehnten zahl-ten und Drohnen leisteten. So wurden der Dörfer, Weilerund Höfe immer mehr. Von jedem neuen Haus auf denHofstätten wurden Zinshühner und Eier entrichtet. Nachdem Tode eines leibeigenen Hausvaters gaben dessen Kinderan den Oberherrn, oder an das Gotteshaus, oder wem sieeigen gehörten, das beste Kleid aus dem Kasten, das besteGeräth au» dem Hanse und das beste Haupt Vieh aus demStalle. Nach Entrichtung dieses Todfalls, wie sie es nann-ten, behielten die Bauern das Uebrige, als wäre es ihr Ei-gen und Erbe.