Die Welt erschrak vor dem Frevel. Die Mörder irr-ten und starben im Fluch der Menschen. Zürich verschloßvor ihnen die Thore; die Waldstätte gönnten den Todtschlä-gcrn ihres Feindes keine Zuflucht. Aber die Kinder desErschlagenen, Herzog Leopold von Oesterreich und Agnes,Königin von Ungarn, und die Wittwe des Erschlagenen, Kö-nigin Elisabeth, übten Blutrache an Schuldigen und Un-schuldigen. Am grausamsten vor Allen Agnes. Viele Bur-gen der Verdächtigen wurden Asche: Wart, Fahrwan-gen, Maschwanden, Altbüren. Als in Fahrwangenzu Agnesens Füßen daS schuldlose Blut von dreiundsechzigRittern floß, soll sie gerufen haben: „Seht, nun bad' ich imMaithau!" Umsonst jammerte vor ihr im Staube die Ge-mahlin des Ritters Rudolph von Wart für das Lebendes Gatten, Dieser ward mit gebrochenen Gebeinen lebendauf's Rad geflochten, den Vögeln zum Fraß. Vom Radherunter tröstete er sterbend die treue Gemahlin, welche daeinsam kniete, weinte und betete, bis seine geliebte Seeleentwich. — Auf der Stätte des Kaisermordes aber bautenAgnes und ihre Mutter das reiche Kloster Königsfelden.Sie selbst begab sich hinein, ihr Leben mit Andacht zu voll-bringen. Aber Bruder Berthold Strebe! von Oftringensprach voll Abscheues zu ihr, da sie den Vorüberwandelndenin ihre Kirche winkte: „Frau, es ist schlechter Got-tesdienst, wer unschuldiges Blut vergießt undaus dem Raub Klöster stiftet."
Auch den Leuten in den Waldstätten vergaß HerzogLeopold die Widerspenstigkeit nicht, welche sie seinem Va-ter gezeigt hatten, besonders als sie, statt seinem BruderFriedrich von Oesterreich, dem Kaiser Ludwig, dem Baier,ergeben thaten. Er brach wider sie auf mit vielen Rittern