Band 
Zweiter Theil.
Seite
60
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Herzog Leopold zog darauf mit großer Macht, vielherrlicher Ritterschaft und Hilfe aus seinen Landen, vonBaden durch's Aargau herauf über Surfte gen Sempach,um hier die Bürgerschaft, die zu den EidSgenoffen hielt,.mit eiserner Ruthe zu züchtigen. Dann wollte er Luzernüberfallen. Gen Sempach gekommen, fand er aber dieBanner der Eidsgenossen schon in der obern Gegend ver-sammelt. Alsbald, ohne sein Fußvolk zu erwarten, hieß erdie Tausende seiner Ritter von den Rossen steigen, weil erderen Verwirrung im Berggefecht fürchtete, und befahl»Mann an Mann gedrängt, gleich einer eisernen Mauer, mitvorgesenkten Speeren in die Eidsgenossen einzudringen. Dajauchzte der Adel. Doch Freiherr HanS von Hasenburgwarnte: „Hoffahrt sey zu nichts gut!" Herzog Leopoldaber sagte: „Hier in meinem Land, für mein Volk, will ichsiegreich seyn, oder verderben!"

Es war zur Aerntezeit. Die Sonne stand hoch undbrannte heiß. Die Schweizer fielen auf ihre Kniee und be-teten. Dann erhoben sie sich; vierhundert von Luzern, neun-hundert aus den Waldstätten, hundert aus Glarus, Zug,Gersau, Entlibuch und Rothenburg. Alle stürzten sie wü-thend gegen die Eisenschaar an. Vergeblich; die durchbrachKeiner. Mann um Mann sank. Sechzig Leichname blute-ten am Boden. Alle wankten.

_„Ich will der Freiheit eine Gasse machen!"

schrie jählings donnernd eine Stimme: „Treue, liebeEidsgenossen, traget Sorge für mein Weib undKind!" Das sprach Arnold Strutha» von Winkel-ried, der ritterliche Unterwaldner, umfaßte alsbald mitbeiden Armen von den Feindesspeeren, so viel er deren