Bern erließen darum eine strenge Verordnung in Sitte undKleidertracht. Als die Frauen und Töchter der Vornehmenhörten, sie sollten die langen Schleppen ihrer Kleider ab-thun, jammerten sie und stifteten ihre Männer auf, nicht zugehorchen, denn die lange Schleppe sey doch des Adels Kenn-zeichen. Darüber neuer Lärm, also daß selbst die Eidsge-nossenschaft in Sorgen gerieth und Vermittlung erbot. Dasbewog den Rath zu Bern, die Streitsache nicht weiter zutreiben. Er setzte die Befolgung der Kleidersatzung durch,der Adel wurde verbannt und gehorchte; ein löbliches Bei-spiel vaterländischen Sinns. Später (8. April und 17. Mai1471) wurden mildere Sittcngesetze gegeben, aber strengergehandhabt. So gewannen die Berner innern Frieden.
Und daran thaten sie gar wohl, denn bald kam die Zeit,daß gesammte Eidsgenossenschaft großer Eintracht bedürftigwurde, wollte sie nicht ein Raub Karls, des kühnen Her-zogs von Burgund, werden. Dieser war ein prächtiger,Ruhm und Herrschaft liebender Herr, doch ungestüm zorniggegen Alles, was ihm zu widerstehen wagte. Seine Landedehnten sich von den Schweizergrenzen jenseits des Jura unddes Rheins, zwischen Frankreich und dem Rhein entlang biszur Nordsee. Den Herzog Renatus von Lothringen hatteer vertrieben und mit seinen Waffen sogar vor Paris denKönig Ludwig XI. von Frankreich erschreckt. Dieser haßteaber den kühnen Karl von Burgund und erweckte ihm im-mer neue Feinde. Der König wandte sich auch mit vielenSchmeicheleien an die Schweizer, deren furchtbare Tapferkeiter, da er noch Dauphin gewesen, schon in den Feldern vonSt. Jakob kennen gelernt hatte. Er ließ es nicht an Ge-schenken und goldenen Ketten für die Rathsherren in denSchweizerstädten fehlen, daß sie ihm gegen den Herzog hül-fen. Auch der vertriebene RenatuS von Lothringen sprach
Zschokke II. ü