Band 
Zweiter Theil.
Seite
74
JPEG-Download
 

74

teten, den Obrigkeiten der Eidsgenossen beizukommen. Dieseaber, behutsam, mieden jeden Anstoß, erkannten Frankreichsfreie Verfassung an, und verwiesen aus ihren Gebieten dieunglücklichen Fürsten, Priester und Edelleute, welche vordem Grimm des französischen Volks in die Thäler derSchweiz geflohen waren und Zuflucht gefunden hatten.

Bald darauf aber kam der große Kriegsheld NapoleonBuonaparte, und zog durch Savoyenland nach Italiengegen des Kaisers große Heeresmacht. Denn der Kaiserallein noch, sammt dem deutschen Reich und den Engländern,stritt wider Frankreich, weil die Könige von Spanien undPreußen schon Frieden eingegangen waren. Und in wenigenMonaten und in vielen Schlachten (im Jahr 1797) über-wand der Buonaparte die ganze Macht Oesterreichs, schlugund erschreckte Italien von einem Ende zum andern, nahmdie gesammte Lombardei, und zwang auch den Kaiser, Frie-den zu machen. Die Lombardei erhob er dann zu einemeigenen freien Staat, genannt Cisalpinien.

Da dies im angrenzenden Veltlin, Cläven undWorms die Unterthanen des Bündnerlandes sahen, wolltensie viel lieber freie Bürger von Cisalpinien seyn, als armeUnterthanen der Bündner bleiben. Denn ihre vielen Be-schwerden und Klagen waren selten erhört worden. Buo-uaparte sprach aber zu den Bündnern zuvor: „So Ihrdiesen Leuten die Freiheit gebet, Euch an Rechten gleich,mögen sie Eure Mitbürger seyn und bleiben. Ich ertheileEuch Frist; bedenket es und sendet dann zu mir nachMailand.^

Doch im Bündnerlande konnten sich die Parteien derHerren nickt verstehen, und viele schrieen: „Die Veltlinerentweder als Unterthanen, oder gar nicht bei unsl" — Wie