Band 
Zweiter Theil.
Seite
85
JPEG-Download
 

88

Das überall freie Volk, seit es nickt mehr als unmün-dig behandelt ward, regte sich mit frischem Muthe, trieb mitneuer Luft Gewerb und Handel, Viehzucht und Ackerbau;nirgends beengt, wie ehemals durch Zunftzwang und Sper-rung eines Kantons gegen den andern. Die Theilnahmealler Bürger an L-ndessachen nöthigte die Regierungen zurMilde und Gerechtigkeit, zur Verbesserung schlechter Gesetzeund zur Beförderung löblicher Anstalten und Einrichtungen.Das Volk wollte frei seyn; aber ohne Einsicht und Stärkeist kein Volk unabhängig. Darum wurden die Schulen desLandes vermehrt und verbessert; denn nur der Verständigeversteht, sich selber und Andern zu helfen. Darum wurdedas Kriegswesen der Eidsgenossen neu gestaltet, auf daß zujeder Stunde ein streitbares Heer die Grenzen wider Fremd-linge decken könne. Binnen einem Jahrzehend ward imSchweizerlande mehr Löbliches gestiftet und vollbracht, alssonst in einem Jahrhundert.

Der gewaltige Vermittler, Napoleon, Kaiser derFranzosen, welcher in unüberwindlicher Macht Könige vonihren Thronen stieß, alte Reiche zertrümmerte und neue Kro-nen schuf, als wäre er ein Herr der Welt, schonte zwar desSchweizerlandes freundlich. Doch seine ewigen Kriege lähm-ten den Handel der Eidsgenossen mit andern Völkern; dasdrückte Viele, und mehr noch der Vertrag, Kraft dessen ihm,wie einst den Königen, seckzehntausend Mann in Kriegssoldgegeben werden mußten. Denn weil der Tod in zahllosenSchlachten viele Mannschaft hinwegraffte, wollte sich fastNiemand mehr werben lassen. Auch mißfiel mancher Stadt,daß den Franzosen freie Niederlassung in der Schweiz, wieden Schweizern in Frankreich, gestattet war. Allein es trö-stete sich Jeder mit Hoffnungen besserer Zukunft. Niemandwagte wider Napoleon aufzutreten.