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Anthologie aus den Gedichten von Ramler, v. Schenkendorf und Neubeck
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Mitglied des Raths der Fünfhundert war, lebte «m das Jahr1775 einige Zeit in Berlin; er erwarb sich eine gute Kenntnißunserer Sprache und Literatur, so wie die Freundschaft Les-sing'S und Ramler's. Bon dem größten Theile der Odendes letztern gab er, vor mehr als zwanzig Jahren, einefranzösische Uederfttzung heraus. Außer der Rqmler'schen Ode,die der Bischof Lowth in der Bersart des Originals in'SEnglische übersetzt hat, und die in dieser Uebersetzung in derBerlinischen Monatsschrift vom Jahre 1793, 1. Bd. S. 474,abgedruckt ist, hat ein Ungenannter im vorigen Jahre einenBersllch gemacht, einige dieser Oden in's Englische zu über-tragen; man findet sie, nebst einigen Umstanden von Ramler'sLeben, im iVlontiz' NagsLine, Juni 1800. Der Uebersetzer istjedoch bescheiden genug, von seiner Arbeit selbst zu sagen, daßsie wohl schwerlich die Prophezeiung des Dichters wahrmachen möchte:

Ungeschwächt soll ihreTöne der Brittische Barde triqken.

Ramler wagte sich noch an ein Unternehmen, dessen großeSchwierigkeiten er einsah und größtentheils glücklich über-wand. Er übersetzte nach und nach die Oden deS Hora; genauin die Sylbenmaße des Originals. Er zeigte darin auf einebewundernswürdige Weise die Biegsamkeit, den Wohlklangund die Energie, welcher die deutsche Sprache "empfänglichist, und wie tief er selbst in den Geist seines Lieblingsdichterseingedrungen sey. Nichts hat ihm wohl mehr Freude gemacht,als daß er diese Arbeit noch vollständig vollendete. In denbeiden letzten Jahren seines Lebens widmete er ihr seineheitersten Stunden, und feilte noch immer mit unermüdeterGeduld daran.