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Spaziergänge in den Alpen : Wanderstudien und Plaudereien / von Jos. Vict. Widmann
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In Domo war es, obschon der Himmel sich allmälig dichtbewölkt hatte, und trotz der Nähe der hohen Berge so warm, das;erst lang nach Sonnenuntergang die Leute recht dazu kamen, sichzu erholen. Da spielte, wie gesagt, die Musik der Alpenjäger;dazu tanzten auf dem Trottoir junge Mädchen und Kinder insittsamer Weise. Die Kinder hatten vorerst feierlich ausgemacht,daß Jedes einen Blumennamen zu tragen habe, und nun engagirtensie einander unter diesen Namen und zwar in längern Sätzen,so daß sie mit artiger Verbeugung einander fragten:Will dieRose mit dem kleinen Veilchen tanzen?" Ich sehe diesen Kinder-spielen besonders gern zu. An einer Straßenecke spielten einigeKnaben in ganz besonderer Art. Sie faßten sich an den Händen,gingen im Kreise umher und sangen zu einer angenehmen Melodieungefähr folgende Worte:

Oll! cirmnto iavoro!lll non si trova 1'oro."

(O! muß man sich schinden!

Und doch kein Gold zu finden!)

Auf das Wort oro warfen sich Alle nieder zur Erde, schlugenPurzelbäume und griffen auf dem Pflaster herum, bis plötzlichein Pfiff ihrxZ Führers wieder Alle in die Reihe rief, wo dannEiner zu spät kam, der nun seinerseits das Kommando übernehmen mußte.

Ich würde noch viel mehr solcher kleiner Züge erlauschen,wenn es mir nicht immer Leid thäte, die Naivität der Spielendendurch die Miene des Beobachters zu stören. Wenn man mitSiegfrieds Tarnkappe durch Italien gehen könnte! Freilich, diesenWunsch werden jene vier Deutschen schwerlich theilen, die ichunterwegs, zwei Stunden vor Domo, in einer Osteria traf. Lärmend,ja brüllend gehen diese Leute durch das ihnen neue Land undumhüllen sich selbst mit einem so betäubenden leeren und selbst-gefälligen Geschwätz, daß man nicht absieht, welchen Gewinn sievon einer Reise in Italien haben wollen. Höchstens ist es ihnen