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unterhalb der Kirche vorbeizugehn, ganz so, wie Egmonts Schimmelstutzte, als er in die von Alba besetzte Residenz einritt. Große,Männer achten leider niemals auf solche Warnungen. Unbefangenmarschirte ich auf den Brunnen zu, der nun erst nicht ein so be-deutendes Kunstwerk ist, als ich eins zu sehen hoffte. Stattlichesteinerne Schale, in der Mitte als Brunnenstock eine Art Obelisk,hübsches altes Eisenwerk an den Röhren, Alles zusammen gedecktvon einem großen Dache, das der Helm eines Kirchthurms seinkönnte — voilä, taut. Anfangs gefiel's mir noch ziemlich. Abergerade, als ich mich ein bischen erwärmen wollte für solche braveLandleute, die Alles daransetzen, ihr heimisches Dörfchen mit einemstattlichen Monumente zu schmücken, kam der fatale Gendarmeauf mich zu, ein hübscher junger Bursche mit schwarzem Schnauz-bart und feurig blickenden Augen. Er gab sich ein ungeheuerwürdevolles Ansehen und arrstirte mich im Namen des Gesetzes,indem er mir eine Stelle im Dekrete der Freiburger Regierungwies, worin es in der That heißt, auch die freie Circulation derHunde sei verboten. Es half nichts, daß ich mich erbot, den Hundan der Kette bis über die Waadtländer Grenze zu führen. Ichmußte dem Befehl mich unterziehen und nahm im Wirthshäuschendes Dorfes vorläufig Quartier, wo ich nun seit zwei Stundensitze und auf die Entwicklung dieses Abenteuers warte.
Einstweilen habe ich Zeit, den gestrigen Tag zu rekapituliren.
Ihn beherrscht vollständig der Kranich , la Zrns, das Wappen-thier der alten Grafen von Grnyöre (Greyerz ).
Wahrhaftig! wenn man das Städtchen und Schloß Greyerz aus dieser Landschaft großer grüner Schäbziegerstöcklein wegnähme,so würde dem Ländchen sein schönster Schmuck fehlen.
Schon als ich von Charmey her des Morgens thalwärts schritt,grüßte von drüben das prächtige alte Kastell herüber. Seine vielenThürme und Zinnen, seine Terrasse, dahinter die Häuser undThore und Thürme des befestigten Bergstädtchens, machen einen
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