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Spaziergänge in den Alpen : Wanderstudien und Plaudereien / von Jos. Vict. Widmann
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imposanten Eindruck, besonders auch, da nian von Weitem keineSpur irgendwelchen Verfalls bemerken kann.

Ich strebte also mit aller Macht dorthin und langte in demalterthümlichen Neste etwas vor elf Uhr Vormittags an, so daßich Zeit hatte, noch vor Tisch mir das Innere des Schlosses zeigenzu lassen.

Der altehrwürdige Grafensitz gehört jetzt einem reichen Genfer,der hier mit seiner Familie wohnt und freundlicher Weise dieBesichtigung des prächtigen Rittersaales, der Wasfenkammer undanderer Kemmenaten der Burg fremden Besuchern gestattet. DerRittersaal mit dem herrlichen alten Kamin ist ganz ausgemaltmit Darstellungen aus der Geschichte der Ritter des Kranichs.Hier erobern sie Romont , dort wehren sie sich gegen die Berner,auf einem andern Bilde haben sie Schloß Ruc genommen unddaselbstuns jsuns sb bsUs ötranKtzrs" als Gefangene vor-gefunden, der nun artiger Weise der Graf von Greyerz die Frei-heit zurückerstattet. (Käme doch so ein Greyerzer Graf in diesemAugenblicke nach Lessoc und befreite mit starker Hand den ge-fangenen Journalisten und seinen treuen Begleiter!) Wundervollist natürlich die Aussicht aus den Fenstern des Schlosses nachallen Seiten. Dort in der Ebene liegt Bulle, aufwärts aber,gegen das Waadtland hin, treten die Berge enger zusammen undhinter dem Schloßberge erhebt der Moleson sein auf dieser Seitebemoostes Haupt, über dem ein Kränzlein von Nebeln schwebt.Was dem Schlosse schon im Mittelalter fehlte und noch jetzt fehlt,ist ein Wasserquell. Ein Sodbrunnen mit Regenwasser ist füreine Festung ein schlechtes Auskunftsmittel. Gerade heute war derjetzige Besitzer in das Thal hinabgestiegen, um zu untersuchen,ob vielleicht von dort unten eine Quelle mit Hilfe künstlicherPressionsmittel bis auf das Schloß könnte geleitet werden.

Aber nicht bloß das Schloß, auch das Städtchen Greyerz ist ein höchst ehrwürdiger und ganz einzigartiger Rest des Mittel-