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Ueber den Entwurf eines Reichs-Eisenbahn-Gesetzes und dessen Unzulässigkeit / von Moriz Mohl
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sprechend eine concurrirende Privat-Eisenbahn concessionirt und dadurchein vom Reiche mit 144 Millionen Thaler erworbenes und vervollstän-digtes Eisenbahn-Netz ruinirt und für das Reich ertraglos gemachtwürde, ja vielleicht, vermöge seines hohen Erwerbspreises, in den Fallkäme, auch bei einem zweckmäßigeren Tarissysteme nicht einmal seineBetriebskosten zu tragen! Dem wären aber die Reichs-Eisenbahnen aus-gesetzt, wenn das Concessions-Recht in die Hände des Reichs-Eisenbahn-Amtes d. h. einer Behörde käme, welche es für die Voraussetzung einesgesunden Verkehrswesens erklärt,daß für alle Haupt-Verkehrslinien so-wohl Privat- als Staatsbahnen bestehen."

Baden war im Rheinthal und in einem Theile der Schwarzwald-thäler, welche in das Rheinthal münden, günstig für den Bau und istin denselben ebenso günstig für den Betrieb feiner Hauptbahnen undauch einzelner kleinen Seitenbahnen gelegen. Auch bietet dasselbe demVerkehrsstrome Reisender mit dem Neckarthal bei Heidelberg und mitden Schwarzwaldthälern so reizende Gegenden, und ist zugleich für denMenschen- und Güterverkehr in der Richtung der Weltstraße des Rheinsso günstig gelegen, daß seine Eisenbahnen in der Längenrichtung desLandes nothwendig lohnend sein müssen wenn ihnen die Reichsbahnenim Elsaß nicht eine ruinöse Concnrrenz mit unnatürlichen Mitteln machen.Dagegen bildet der badische Schwarzwald im mittleren und südlichenTheil des Landes ein steiles, hohes Gebirge, welches die nächsten Eisen-bahn-Verbindungen mit dem badischen Oberschwaben (am Bodensee) sehrerschwert. Und ebenso war die Eisenbahn-Verbindung von Heidelbergdurch die badische Odenwald- und Taubergegend mit dem Main beiWertheim und Würzburg nur mit namhaften technischen Schwierigkeitenzu gewinnen und ist auch aus anderen Gründen eine weniger rentable.Alle diese Verhältnisse empfahlen und empfehlen das Staais-Eisenbahn-System in Baden nicht nur seiner allgemeinen Vorzüge, sondern auch derbesonderen Landesverhältnisse wegen. Denn nur auf diesem Wege konnteund kann Baden ein vollständiges Eisenbahn-Netz zum Heil und Segenseines Landes ohne unverhältnißmäßige Opfer erlangen. Nur, wer dieeinträglichen Bahnen im Rheinthal hat, konnte und kann die vermögeder Terrain-Verhältnisse und des weniger lebhaften Verkehrs minder