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Ueber den Entwurf eines Reichs-Eisenbahn-Gesetzes und dessen Unzulässigkeit / von Moriz Mohl
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stände führte und jetzt als einer der schwersten Mißgriffe verurtheilt ist.Daß man aber einem Staate, welcher für das öffentliche Verkehrsbedürfniß-auf Rechnung und Gefahr der Steuerpflichtigen sorgt, von ReichswegenPrivatspeculationen als Concurrenten setzen, ihn und sein Land dadurchruiniren dürfte, und daß dieß Forderungeines gesunden Verkehrs-wesens" sei, dieß scheint uns wenigstens eine dem öffentlichen Wähleschnurstracks zuwiderlaufende, ganz verkehrte Theorie zu sein. Und zwarum so verkehrter, da nur der Staat aus höheren Gründen ein Landnach allen, auch den gering rentabeln Richtungen mit Eisenbahnen zuversehen die Mittel, den Beruf und ein Interesse hat, dazu aber desgesicherten Ertrages der einträglichen Hauptverkehrs-Linien bedarf, undals der Staat seine Eisenbahn-Schulden allmälig amortisirt und dadurchsich in die Lage setzt, seiner Zeit den Verkehr aufs Wohlfeilste zu bedienen.

Württemberg ist nach Elsaß-Lothringen, wo das Reich zwareinige kleine Privatbahnen angetreten, aber von sich aus keine Privat-bahn coneesfionirt hat, dasjenige deutsche Land, in welchem dasStaatsb ahnspstem bis jetzt verhältnißmäßig am folgerichtigsten durch-geführt worden ist. Württemberg hat zwar im Ober-Neckarthal zweikleine Seitenbahnen von 0,8s und 1,4 Meile nach Nebenthälern fürRechnung von Körperschaften und Privaten zugegeben, und der Staathätte nach unserer Ueberzeugung aus leicht nachzuweisenden Gründenviel besser gethan, diese Seitenbahnen selbst zu bauen und zu betreiben.Allein in der Hauptsache hat der Staat das ganze Bahnnetz in Würt-temberg gebaut und betreibt es am 1. Juli 1873 in der Länge von150,s Meilen württembergischer Staatsbahnen und er hätte dieß garnicht vermocht, wenn er nicht zuerst die rentablen Hauptlinien gebauthätte, an welche er allmälig ein Netz von Eisenbahnen über das ganzeLand angereiht hat und zu vervollständigen fortfährt. Denn von diesenSeitenbahnen und ihren Verzweigungen, welche, wie die Hauptbahnen,in dem durchweg gebirgigen Lande theuer zu bauen und zu betreibensind, gewährt vielleicht keine einzige bis jetzt für sich ihre vollen Zinse;sie tragen aber zum Ertrage der Hauptbahnen durch ihren Verkehrszuflußbei und sie wachsen durch die Belebung aller Hülfsquellen des Landesallmälig in einen besseren Ertrag hinein. Auch haben die Eisenbahnen