Buch 
Ueber den Entwurf eines Reichs-Eisenbahn-Gesetzes und dessen Unzulässigkeit / von Moriz Mohl
Entstehung
Seite
70
JPEG-Download
 

70

Er bemerkt, man habe es in Belgien auch mit der Concurrenz imEisenbahnwesen versucht und der Minister Jamar (einer der Vorgängerdes jetzigen Ministers der öffentlichen Arbeiten, Herrn Beernaert, desseninteressante Rede darüber wir oben mitgetheilt haben) habe darüber ineinem Berichte gesagt:Es ist aus diesem System eine Veranstaltungvon Concurrenz-Linien hervorgegangen, in welchen Industrie und Handeldie Bedingung von Wohlfeilheit der Transporte gesehen haben. Man hatin Belgien wie in England geglaubt, um die Wohlfeilheit zu sichern,müsse man das Monopol der Eisenbahnen verhindern. Die Erfahrungbeweist aber, daß die Concurrenz der Eisenbahnen die entgegen-gesetzte Wirkung hat; daß sie, statt einer Verminderung die Er-höhung der Transportpreise zum Ergebnisse hat; was inEngland vorgeht, kann keinen Zweifel darüber lassen."

In Belgien sagt Herr Nouette-Delorme betrachtet man diesenPunkt als erwiesen, und in der neuesten parlamentarischen Erörterungdaselbst war weder von Concurrenz- noch von Parallelbahnen mehrdie Rede.

Derselbe führt auch aus dem !>lortb amsriean rsviov eine Dar-stellung der gräulichen Folgen der Eisenbahn-Concurrenz daselbst an,welche in den Worten gipfelt:Bis jetzt war die Concurrenz die Pestder Eisenbahnen. Sie war immer ein Element heftiger Perturbation.Wenn sie in einem Moment die Frachten zu einem unvernünftigenSatze herabdrückt, so ist es nur, um dieselben ein anderes Mal inFolge der Coalition auf eine exzessive Höhe zu steigern. In den letztenJahren haben in Folge der Concurrenz die Frachten zwischen New-Aorkund Chicago zwischen 5 und 37,so Dollar per Tonne, von New-Aork nachSaint-Louis zwischen 7 und 46 Dollar geschwankt, und die Erie-Eisen-bahn ließ sich bald 2 Dollar, bald 37 per Tonne bezahlen." Hat mansich dann ruinirt und kommt der fatale Tag, wo man sich unter ein-ander verständigen muß, so geben die Gesellschaften einfach neue Actienaus und verkaufen sie zum Vortheil der Gesellschaft. Man heißt dieß:das Capital wässern. Eines schönen Tages gibt es so viele Werthpapiereder Eisenbahn, daß sie gar nichts mehr werth sind und nichts ertragen.

Wir bedauern, daß wir dem Verfasser nicht auf seine Ausführungen