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Ueber den Entwurf eines Reichs-Eisenbahn-Gesetzes und dessen Unzulässigkeit / von Moriz Mohl
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Der größere Theil dieser Summe wurde in Capital gegeben, um diegroßen Hauptlinien so schnell als möglich ins Leben zu rufen. Außerdemhat er Zinsen-Garantien gegeben, hauptsächlich durch Verträge mit densechs großen Gesellschaften der Hauptlinien, in welchen bestimmt wurde,daß diese Gesellschaften ein Netz von Seitenbahnen (welche erfahrungs-mäßig theils gar keinen Reinertrag, theils einen solchen von 1 bis 2"j»gewähren) anzulegen und zu betreiben, das Deficit ihres Ertrages theil-weise aus dem Ertrage der Hauptbahn zu tragen haben und theilweisevom Staate bis zur Ergänzung von 4,6b cho Zins und Amortissementvorgeschossen erhalten (wofür im Jahr 1871 die Bahnen Orlsans, Niäi,Dst und Ousst bereits 40 Millionen Franken in einem Jahre vomStaate erhielten).*) Dagegen wird nach 99 Jahren (von verschiedenenZeitpunkten an gerechnet) das Eisenbahn-Netz dem Staate anheimfallen;er hat auch das Recht, nach 15 Jahren die Eisenbahnen gegen eineRente für den Rest der Concessionszeit an sich zu ziehen; die Eisenbahnenhaben die Post unentgeltlich zu transportiren; sie bezahlen eine Steuervon den Personeu-Fahrtaxen und der Staat hat an einem Reinerträgegewisser Eisenbahnen von mehr als 8 einen Antheil zu erhalten (waszwar bis jetzt nicht praktisch wurde). Der Staat ist also sowohl in derGegenwart, namentlich mit seinen Zinsgararantien, als auch in derZukunft allerdings wesentlich dabei interessirt, daß die Hauptlinien nichtdurch Concurrenzlinien in ihrem Ertrage schwer beschädigt werden,und daß dem Staate nicht seiner Zeit ein Eisenbahn-Netz anheimfällt,welches durch unnöthige Concurrenz-Bahneu zum Voraus ruiuirt ist.6s ssrsit sagt Nouette-Delorme In iviss au pillags äu äoiuainstsri-s st «tu duÜAst äs 1'Ltat. Wir übergehen, was er zur Charakteri-sirung des Speculationsschwindels, den er bekämpft, und seiner Ver-treter sagt. Es ist die Geschichte aller Nationen mit Privatbahnen.

Mit dieser Ansicht steht derselbe in Frankreich auch nichts weniger

*) Für jetzt und in normalen Zeiten rechnet der Verfasser im Ganzen aus22 Millionen Franken solcher Zuschüsse jährlich; im Falle der Concessionirung vonParallelbahnen, wodurch die Hauptbahnen beitragsunfähig würden, aber auf weitüber 135 Millionen Franken jährlichen Staatszuschusses.