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Ueber den Entwurf eines Reichs-Eisenbahn-Gesetzes und dessen Unzulässigkeit / von Moriz Mohl
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Eisenbahnen nicht in die Hände der Spekulation und der Privatinteressenkommen läßt.

Dieß ist der erste große finanzielle Vortheil der Staatsbahnen fürein Land. Er ist aber zugleich vom größten sittlichen Werth. Dennnichts ist so demoralisirend für alle Schichten der staatsbürgerlichen Ge-sellschaft, als die scandalösen Reichthümer, welche von so vielen Gründerndurch bloße Spekulation und durch so häufig damit verbundene Schur-kereien aller Art erschwindelt werden. Das Eisenbahn-Gründerthum wirdnur allzu leicht die großartigste und zu Betrügereien der verschiedenstenArt geeignetste aller Schwindeleien auf dem Gebiete des Actienwesens,und schon deßhalb wäre es die gefährlichste von allen, wenn selbst diePrivatbahnen nicht andere, noch viel größere Nachtheile hätten.

Ein solcher anderer, noch viel größerer Nachtheil ist der, daß siedie wichtigsten Verkehrswege der Länder in die Hände des Privateigen-nutzes bringen, während dieselben in den Händen des Staates seinsollten. Die Folgen dieses ungeheuern Mißgriffes wären zwar voraus-zusehen gewesen; jedenfalls hat aber die Erfahrung sie in einer Weiseerwiesen, welche die Schwere jenes Fehlers vollkommen darthut.

Die Spekulation hat sich natürlich allenthalben zuerst auf die ein-träglichsten Linien, aus die großen Verkehrsstraßen geworfen, auf welchender Personen- und Güterverkehr bis dahin sich hauptsächlich entwickelthat: auf die Handelsstraßen von-den großen Seehäfen nach den Handels-und Fabrikplätzen im Innern; auf die Straßen, welche zu den Haupt-städten der Länder aus den Provinzen führen; auf die großen Verkehrs-straßen, welche die Steinkohlen- und Erzlager mit den Hüttendistriktenund mit den Verbrauchsplätzen und Ländern verbinden u. s. w. Solchegroße Verkehrslinien, zumal wenn sie, wie in Norddeutschland meistens,auch noch auf ebenem Lande und über wohlfeilen Boden führen, wennsie daher wohlfeil zu bauen und zu betreiben sind, werfen natürlich (nichtdurch das Verdienst der Aktiengesellschaften, sondern durch das der natür-lichen Verhältnisse) sehr hohe Erträge ab, z. B. in den letzten Jahrenin Norddeutschland und am Rhein 6^/27891011121314151617182639 Prozent.

Hier war nun selbstverständlich der erste Fehler der, daß der Staat