Buch 
Ueber den Entwurf eines Reichs-Eisenbahn-Gesetzes und dessen Unzulässigkeit / von Moriz Mohl
Entstehung
Seite
93
JPEG-Download
 

93

haben zwar, seit die Eisenbahnen entstanden, die Kanäle gleichfalls ihreGebühren herabgesetzt, und es besteht heute noch da, wo sich die Kanälevon den Eisenbahnen unabhängig erhalten haben, ein sehr großartigerTransport in Concurrenz mit den Eisenbahnen auf solchen Kanälen,von welchen einzelne noch jetzt 1216 Prozent Reinertrages gewähren.Da aber diese beiderlei Verkehrsanstalten Privatunternehmungen sind undmit dem ganzen rücksichtslosen Eigennutz verfahren, welcher die im Besitzeines Verkehrsmonopols befindlichen Privatinteressen so gemeinschädlichmacht, und da die Eisenbahnverwalter, um sich der Kanäle zu bemäch-tigen, den Eigenthümern der Letzteren nöthigenfalls das Mehrfache ihrerAnlagekosten oder eine höhere Rente boten, oder ihnen auch mit dengrößten Opfern so lange eine ruinöse Concurrenz machten, bis die Eigen-thümer des Kanals diesen der räuberischen Eisenbahn überließen (es kamvor, daß Eisenbahndirektoren ihnen geradezu erklärten: wenn Ihr unsden Kanal nicht überlasset, so werden wir ihn ruiniren), so haben diebritischen Eisenbahngesellschaften schon im Jahr 1865 nicht weniger als1,544 englische Meilen innerer Wasserwege, und zwar 1,300 Meilen fürimmer, 244 Meilen aus Zeit an sich gebracht. Die Eisenbahnen habensich auf diese Weise der meisten Kanäle in der Mitte von Englandin dem großen Handels- und Manufakturgebiete zwischen Birmingham,Liverpool, Manchester, Bradford, Leeds bemächtigt, oder durch Zwi-schenstrecken zwischen anderen Kanälen diesen die Adern mittelst Ueber-gangszöllen (bar-tolls) von ungeheurer Höhe unterbunden. Auf denKanälen, in deren Besitz sie sich setzten, schlugen sie nach Belieben denVerkehr für alle Artikel, welche sie auf die Eisenbahn treiben wollten,d. h. für alle, welche den Eisenbahnen taugten, oder auch den ganzenVerkehr überhaupt dadurch todt, daß sie die Kanalzölle auf die veralteten,längst nicht mehr in Anwendung gewesenen gesetzlichen Maxima hinaus-setzten. Außerdem ließen sie die Kanäle in ihrem Bau herunterkommen,ihren Wasserstand unzureichend werden, schlössen sie unter dem Borwande vonAusbesserungen während der für den Kanalverkehr wesentlichsten Jahres-'zeiten ganz oder schließen sie auch den Kanal einfach überhaupt für denVerkehr, und konnten sich alle diese schamlosen Mißbräuche in vollerSicherheit erlauben, weil die durch ihren Reichthum so mächtigen