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5 (1863) Fünfter Band. Kopal–Ozon
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Kopfschmerz

pedantisch und überflüssig erscheinen, ist aber in der That für den Arzt und die einzuschlagendeBehandlung von entscheidender Wichtigkeit. Kopfschmerzen werden nur solche schmerzhafte Empfin-dungen genannt, bei denen das Hirn entweder unmittelbar oder mittelbar in verschiedener hierweder ausführlicher zu erörternder, noch in allen Fällen vollkommen klar gekannter Weise bethei-ligt ist; sie sind demnach immer in das Innere der Schädclhöhle zu verlegen, während für dasGefühl des Kranken mancherlei schmerzhafte Empfindungen, welche in den Schädelwandungenoder deren Bedeckungen ihren Sitz und in Krankheiten derselben ihren Grund haben, ganz gleicheSensationen wie wirkliche Kopfschmerzen, die in directen oder indirecten Leiden des Hirns be-gründet sind, erzeugen können. Die Unterscheidung dieser scheinbaren Kopfschmerzen von denwirklichen ist für den Leidenden oft geradezu eine Sache der Unmöglichkeit und kann sehr häufigselbst vom Arzte nur nach sorgfältigster und wiederholter Untersuchung ermöglicht werden. SolcheLeiden, welche mit wirklichem Kopfschmerz verwechselt werden können, sind Nervenschmerzen(Neuralgien) der Hirn- und Kopfhaut, wie sie in Begleitung des Gesichtsschmerzes (s. d.) sehrhäufig auftreten; rheumatische Afsectionen der sehnigen Decken des Schädels und der sehnigenVerbindungen der Kopfmuskeln; Krankheiten der Schleimhaut des Gehörgangs, der Nasen-höhlen, der Stirnhöhlen (zweier Höhlen, welche oberhalb der Augen liegen und die durch Thei-lung der Stirnwand entstehen (vgl. den Art. Schädel); Erkrankungen (scrofulöse, namentlichaber syphilitische) der Schädelknochen selbst. Wenn also dem Laien schon die Fähigkeit, zu ent-scheiden, ob er wirklich Kopfschmerz habe oder nicht, abgesprochen werden muß, so steht es nochschlimmer mit seinem Urtheil über Sitz und Bedeutung des eigentlichen Kopfschmerzes. Derselbekann in wirklichen Leiden des Hirns und seiner Häute seinen Grund haben (sogenannter idio-pathischer Kopfschmerz) oder durch anderweite allgemeine oder lokale Erkrankungen bedingt wer-den (symptomatische Kopfschmerzen). Die erste Art der Kopfschmerzen wird namentlich beobachtetbei Entzündungen des Hirns und seiner Häute, bei Geschwulstbildungen im Hirn, bei Hirnver-letzungen durch Schädelbrüche u. s. w., bei Hirnerschütterungen (s. Gehirnkrankheiten), bei Blut-überfüllungen des Hirns und seiner Häute (Kopfcongestionen), sowie bei abnormer Blutarmuthdieser Theile (Anämie des Hirns), bei großer Ermüdung des Hirns durch angestrengte psychischeThätigkeit, leidenschaftliche Erregungen u. s. w. Doch können auch einzelne wichtige Krankheitendes Hirns (Verhärtung und Altersschwund der Hirnmasie, chronischer Wasserkopf u. s. w.) ohneKopfschmerzen verlaufen. Mehrere der genannten Hirnläsionen haben einen scharfumschriebenenSitz (Geschwülste, Entzündungen und Vereiterungen u. s. w.), und man meinte vielfach, diesenwenigstens aus dem Sitz des vorhandenen Kopfschmerzes erkennen (diaguosticiren) zu können.Allein auch dies ist trügerisch und gibt, wenn nicht andere wichtigere Kennzeichen (Lähmungen,Empfindungslosigkeit, Krämpfe u. f. w. einzelner Organe oder begrenzter Muskelgruppen) hin-zukommen und mit den aus der Lokalität des Kopfschmerzes gezogenen Schlüssen übereinstimmen,keinen sichern Anhalt für die Diagnose. Die zweite Art der Kopfschmerzen, welche als Mit-empfindungen (Sympathien, von crvv, zusammen,und Tcäcr/s'.v, leioen) und Kennzeichen (Symptome)anderweiter Störungen auftreten, sind noch weit weniger sichere Führer zu der Erkenntniß der dro-henden oder bereits eingetretenen Krankheiten und können ebenfalls nur mit größter Vorsicht undunter allseitiger Erwägung anderer, wichtigerer Symptome für die Diagnose benutzt werden. Wiederartige Kopfschmerzen eigentlich zu Stande kommen, ist in den meisten Fällen dunkel. Mitunterhängen sie von einer die betreffende Störung begleitenden Hirnhypcrämie ab, die ihrerseitswiederum in manchen Füllen durch Circulationsstörungen in bcii Brustorganen (Herz- und Lun-genleiden) bedingt wird; in andern Füllen scheinen toxische (giftige) Stoffe, gasförmige oderflüssige, welche in das Blut aufgenommen wurden, den Kopfschmerz zu erzeugen. Dahin gehörendie oft heftigen Kopfschmerzen bei Vergiftungen durch irrespirable Gase (Kohlendampf, Gruben-luft u. s. w.), durch narkotische Stosse (Opium, Morphium, Stechapfel, Bilsenkraut u. s. w.),durch alkoholische Getränke (der bekannte heftige Kopfschmerz im Katzenjammer) u. s. w. Be-sonders heftig wirken in dieser Beziehung die Contagien und Miasmen, daher in den fieber-haften Vorläuferstadien des Typhus, des Wechselfiebers, der acuten Exanthcme (Pocken, Schar-lach , Masern) Kopfschmerzen zu den auffallendsten und quälendsten Symptomen gehören. Auchdie den Eintritt einer Grippe, eines Schnupfens markirendeu Kopffchmerzen sind hierher zurechnen. Chronische Blutveränderungen (namentlich beiBlutarmuth)und die häufig mit ihnen ver-bundenen und zum Theil durch sie bedingten Leiden (wie Bleichsucht, Hysterie, nervöse Reizbar-keit u. s. w.) pflegen mehr oder minder anhaltende, mehr oder weniger heftige Kopfschmerzen zuerzeugen. Weder auf die eine oder andere der angedeuteten Weisen vollständig oder auch nurtheilweise zu erklären sind die Kopfschmerzen, welche außerordentlich häufig Leiden der Vcr-