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5 (1863) Fünfter Band. Kopal–Ozon
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Korallen

Massen getrennt bleibt. Dieser Stock wird entweder äußerlich abgesondert und bildet so eine feste,harte, feinzellige Kalkmasse, wie bei den meisten Polypen (Steinkorallen), oder innerlich, wo ereine harte, genau in der Mitte stehende Hornmasse, Lhe genannt (Rindenkorallen), bildet,welche von einer dünnen, Polypen tragenden, kalkigen Rinde überzogen ist. Schon die Altenkannten diese auffallende» Polypenstöcke, hielten sie aber anfangs für Steine mit Blüten, späterfür Pflanzen. Erst 1723 wurden sie von dem französischen Arzte Peyssonel als Thiergehäuseerkannt. Die Thiere selbst stehen allerdings auf einer so tiefen Stufe der Organisation, daßobiger Irrthum leicht verzeihlich ist. Athmungsorgane, Circnlationsorgane, ein deutliches Nerven-system und Ortsbewegungsorgane fehlen ihnen ganz, und auch die Verdauungsorgane stehen aufeiner sehr niedern Stufe der Entwickelung. Die einzigen äußern Sinnesorgane bilden die Fühleroder Tentakel, Fangarme von meist lebhafter Färbung, welche das Maul umgeben und fast inbeständiger Bewegung sind, sich aber bei der geringsten Erschütterung zurückziehen. Sie stehendurch ihre Höhlung mit der Leibeshöhle in Verbindung und dienen zum Tasten und Ergreifender aus Infusorien, kleinen Krebsen und Pflanzentheilen bestehenden Nahrung; sie sind deshalbauf der Oberfläche bewimpert, sodaß sie im Wasser einen Strudel erregen, wodurch dem Mauledie Nahrung zugeführt wird.

Alle Korallenthiere leben im Meere, und zwar die beweglichsten mit ihrem Fuße an demBoden festgesogen, andere mit ihrer Basis im Schlamme steckend, die meisten aber festgewachsenund unfähig, je den Ort zu verändern. Diese letzter» geben besonders Veranlassung zu den Bil-dungen, welche in den südlichen Meeren unter dem Namen der Korallenriffe bekannt sind.In den nördlichen Breiten sind es hauptsächlich nackte und gallertartige Polypen, Seeanemonen,welche die Gruppe repräsentiren; in den Meeren der gemäßigten Zone findet man neben dennackten Polypen noch solche mit schwammigen Polypenstöcken, in welchen Kalknadeln zerstreutsind. Erst in dem Mittelmeere kommen wahre Korallenstöcke vor, die indeß meist nur rasen-sörmige Ausbreitungen bilden. Die eigentliche Zone der Korallenriffe beginnt mit 30? nörbl. Br.und hört fast gänzlich unterhalb 25? südl. Br. auf, sodaß sie also eine Art Gürtel um dieErde bilden, der mit dem Aequator parallel läuft. Man unterscheidet jetzt der Form nach dreiverschiedene Arten von Korallenriffen: a) Atolls oder Lagunenriffe, wenn sie als schmalegekrümmte Streifen mit einem See oder einer Lagune in der Mitte über das Meeresniveau her-vorragen. 1) Dammrisse oder Kanalriffe, wenn im Innern der Lagune sich eine Insel ausanstehendem Felsen oder festem Lande befindet, welche, wie durch einen Festungsgraben, durcheinen mehr oder minder breiten Lagunenkanal von dem wie ein Gürtel sie umgebenden Rissegetrennt ist. Diese Art von Riffen besitzt oft eine ungeheuere Arisdehnung. So hat das Damm-riff, das sich an der Küste von Neucaledonien findet, eine Länge von 400 englischen Meilen, unddasjenige der australischen Küste erstreckt sich mit geringen Unterbrechungen etwa durch 15 Breiten-grade. o) Küstenriffe oder Strandriffe, wenn sich das Korallenriff ohne Lagune unmittel-bar an die Küste anlehnt, wie bei den Marianen, Neuen Hebriden u. s. w. in der Südsee. DieBildung der Korallenriffe selbst hat manches Eigenthümliche. Früher glaubte man, daß dieKorallen sich hauptsächlich auf den Rändern von Kratern vulkanischer Kegelberge entwickelt Hütten,und nahm an, daß sie aus beliebiger Tiefe herauf senkrechte Mauern aufführten, welche an derOberfläche die Bildung des Bodens abzeichneten. Jetzt weiß man , daß dieselben nur in einergewissen, nicht zu großen Tiefe lebend existiren können. Manche finden sich nur 8—12 Fuß tiefunter der Meeresfläche, andere wieder gedeihen am besten in 10—13 Faden Tiefe bei einerTemperatur von 20—22° R., während sie bei geringerer Temperatur schon bei der Hälfte obigerTiefe verschwinden, und nur wenige, wie die Edelkoralle, leben noch in einer Tiefe von?—800 Fuß.Die Korallenthiere haben sich daher alle sicher nur in der Nähe der Küsten in solcher Tiefe ange-setzt, wie dies ihre Lebensbedingungen ihnen vorschrieben, und haben so ursprünglich Küstenriffegebildet. Nach den Untersuchungen Darwin's nun senkt sich der Boden allmählich aus großeEntfernungen hin langsam im Laufe von Jahrhunderten und zwar bis zu einer solchen Tiefe,daß die untern Polypen absterben. Die Polypen mußten daher immer nach oben fortbauen, umdie ihnen zukommende Höhe unter dem Meeresspiegel zu behaupten. Indem der Boden sichimmermehr senkte, bildeten sich aus den ursprünglichen Küstenriffe» Dammrisse, und als er gänzlichverschwand, aus diesen die Atolls, die also nur ringförmige Umwallungen von Bergspitzen sind,welche im Laufe der Zeit unter die Oberfläche des Meeres sich hinabsenkten. So sind dieseungeheuern Bauwerke so unscheinbarer Thierchen Zeugniffe für langsame und allmähliche Ver-änderungen der Erdoberfläche, die sonst unserer Beobachtung entgehen würden.

Für die menschliche Oekonomie sind die Korallen von keiner wesentlichen Wichtigkeit; nur