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5 (1863) Fünfter Band. Kopal–Ozon
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16
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16 Kornwurm

Kelchrand ist verwischt. Die Blumenblätter sind goldgelb. Die Steinfrucht wird schön lackroth;ihr Kern ist gelbweiß. Die Heimat ist ein guter Theil Europas und Asiens. Der Baumfordert leichten frischen Boden. Das Obst ist säuerlich und sehr wohlschmeckend. Man hält esauch im Orient ganz besonders hoch. Es wird bei Fiebern, Diarrhöen, selbst bei der Choleragenossen, wo jeder andere Obstvertrieb untersagt ist. Die Türkinnen bereiten allerhand köstlicheSirupe und Geldes aus den Beeren und diese werden zu allerlei Speisen, selbst zu Pillausverwendet. Die unreifen, sehr herben Früchte werden mit Salz, wie Oliven, eingemacht unddann genossen. Auch die Kerne haben ihren Nutzen. Ein Orientale braucht nöthig eine Kom-bologe, d. h. eine Art Rosenkranz, nicht sowol zum Beten, denn das wird sehr kurz abgemacht,als zum Zeitvertreib. Während nun die Kombologe von Bernstein oft bis 2000 Piaster kostet,hat sie der Arme aus Krani- (Körnet-) oder Olivenkörnern und kommt ebenso weit damit. DasHolz ist ein köstliches Nutzholz für Maschinenarbeiter und Studenten. Erstere benutzen es zuallerhand festen Axen u. s. w., letztere, besonders die Jenenser, haben mit ihren berühmten Ziegen-hainern viele Decennien lang den Nichtstudenten gegenüber argumentirt. Die Bienen gehen

Der gemeine Kornclbaum (Lornus maseula).

den Honigreichen Blumen sehr nach. 0. «anguina L., der rothe Hartriegel, wird ein Strauchvon bis 15 Fuß Höhe. Die eiförmigen zugespitzten Blätter sind beiderseits mit zerstreuten Haarenbesetzt. Sie werden vor dem Laubfall tiefroth. Daher der Name des Strauchs. Die Blütenin weißen Trugdolben ohne Hülle erscheinen im Sommer. Die Früchte .sind kaum erbsengroß,rund, schwarz, mit dem Kelchrande gekrönt und reifen Anfang October. Die Verbreitung ist die-selbe wie die der vorigen. Aus den Zweigen bereitet man Pfeifenrohre, Peitschenstöcke, selbstKamm- und Räderwerke für Wagner und Jnstrumentenmacher. Wir bilden vom gemeinenKornelbaum einen Blüten- und einen Blattzweig in y 3 natürlicher Größe ab, dazwischen eineausgebreitete Blüte, viermal vergrößert.

Kornwurm. Man begreift unter diesem Namen drei verschiedene Arten von Insekten, vonwelchen zwei dem aufgespeicherten Getreide allerdings empfindlichen Schaden thun, während diedritte wahrscheinlich nur durch einen Irrthum in schlechten Ruf gekommen ist.

Der rothe Kornwurm (Apion frumentarium) ist in diesem Falle.Es ist ein kleines Rüsselkäferchen von blaßrother Farbe, das im Graselebt, von Linne mit den Jungen des schwarzen Kornwurms verwechseltwurde und seit dieser Zeit als Getreideverderber fälschlich in den Büchernnachgeschleppt wird.

Wirklich sehr schädlich wird dagegen der braune oder schwarzeKornwurm (Galandra granaria, Fig. l), ebenfalls ein sehr kleines,höchstens zwei Linien langes, schlankes, gestrecktes Rüsselkäferchen mitlangem Bruststücke, verkümmerten, zum Fliegen untauglichen Flügeln undgeriefelten Flügeldecken, die so hart sind, daß sie beim Zertreten desKäferchens laut knacken. Die Naturgeschichte dieses Käfers ist sehr häufigdurch grobe Verwechselungen sogar mit dem weißen Kornwurm beträchtlichentstellt worden.

Der Käfer überwintert in Ritzen und Spalten der Fruchtspeicher, im

Fig. I. Der schwarzeKornwurm (Calandragranaria).