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5 (1863) Fünfter Band. Kopal–Ozon
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30
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30 Kraft

kalorische oder optische Wirkung. Wollten wir den Kreis dieser Betrachtungen noch erweitern,so brauchten wir blos an die chemischen Wirkungen des Lichts, wie diese uns in der Photographieund an dem Pslanzenwachsthum entgegentreten, an die mechanischen Wirkungen des Schalls,welche Gegenstände zertrümmern, Thiere betäuben können, u. dgl. mehr zu erinnern. Wenn nungesagt ist, daß die Größe der Wirkung stets von der Größe der wirkenden Kraft abhängt, so giltdies keineswegs oberflächlich, sondern in voller mathematischer Strenge. Kraft und Arbeit sindeinander durchaus gleichwerthig (äquivalent). Nachdem diese große Wahrheit einmal erkanntwar, hat man sich vielfach bemüht, die einzelnen Kräfte ihrer Größe nach zu messen uud sie aufein allgemeines, für alle anwendbares Maß zu reduciren. Dieses Maß ist die mechanischeLeistung einer Kraft. Eine mechanische Kraft nach diesem Maß zu mesien ist sehr leicht; manbraucht nur zu bestimmen, eine wie große Bewegung in einer bestimmten Zeit durch die Kraftausgeführt wird. Vermag eine Kraft in einer Secunde eine Last von 1 Kilogramm 1 Meter hochzu heben, so ist die Kraft — 1 Kilogrammometer (s. d.); 75 solcher Kilogrammometer werdeneine Pserdekraft genannt. Da nun aber Wärme, Elektricität, Magnetismus u. s. w. ebenfallsmechanische Wirkungen hervorbringen können, so muß es auch gelingen, diese Kräfte nach dem-selben Maße zu mesien, und dies ist in der That bei der Wärme bereits mit genügender Schärfeausgeführt. Man hat durch sehr sinnreich angestellte Versuche gefunden, daß diejenige Wärme-menge, welche nöthig ist, um die Temperatur von 1 Kilogramm Wasier um 1° E. zu erhöhen(oder eine Wärmeeinheit, Caloric), in runder Zahl etwa —430 Kilogrammometer ist, d. h.mit andern Worten: wenn man eine Wärmeeinheit nicht dazu benutzt, Wärmecffecte hervorzu-bringen, sondern mechanische Wirkungen zu erzielen, so leistet sie ebenso viel als eine mechanischeKrast von 430 Kilogrammometern, man würde also mit dieser Wärmemenge in einer Secunde430 Kilogrammometer 1 Meter hoch heben können. In ganz ähnlicher Weise hat man auchversucht, die Wirkungen der Elektricität und der chemischen Verwandtschaft auf mechanischesMaß zu reduciren (vgl. Bd. I, S. 164). Wenn dies bisjetzt bei dem Licht noch nicht in be-friedigender Weise gelungen ist, so ist damit keineswegs ausgesprochen, daß diese Krast nicht aufmechanisches Maß zu reduciren sei, im Gegentheil deuten alle Erscheinungen darauf hin, daßes mit der Zeit auch hier gelingen werde.

Wenn man nun, was durch Tausende von Thatsachen bewiesen ist, dieses Gesetz als feststehendannehmen muß, so folgt daraus die wichtige Thatsache, daß, wenn man auch die einzelnen Natur-kräfte ineinander umsetzen kann, man doch keineswegs im Stande ist, Kraft wirklich zu erzeugen.Jedesmal wenn eine Naturkraft in Thätigkeit gesetzt wird, sei dies nun durch die Natur selbstoder unter Mitwirkung der Menschen, kann die Wirkung der Kraft nie größer sein als die Kraftselbst. Das strömende Wasier eines Mühlbachs leistet nie mehr, als seiner Fallgeschwindigkeitentspricht, es mag die Kraft in noch so verschiedener Weise umgesetzt werden. Hierbei ist aberwohl zu beachten, daß unter der Wirkung oder der Arbeitsleistung der Kraft die Gesammtsummealler Wirkungen verstanden werden muß, also bei der Mühle nicht nur die Bewegung derMühlsteine, das Absieben des Mehls, das Heben des Getreides u. s. w., sondern auch die Ueber-windung sämmtlicher Widerstände, welche der Bewegung des Mühlwerks entgegenstehen, wohinnamentlich die Reibung der einzelnen Theile des Mühlwerks gehört. Da man nun in der Technikgewohnt ist, unter Arbeitsleistung einer Kraft nur die nutzbringende Leistung zu verstehen unddie Widerstände unberücksichtigt zu lasien, so ist klar, daß diese Art von Arbeitsleistung stetsgeringer ausfallen muß, als der Krast entspricht. Bei keiner Maschine, sie sei geartet, wie sieimmer wolle, wird alle Krast, welche zur Inganghaltung derselben dient, in nutzbringendeumgesetzt, und daher verliert man stets einen entsprechenden Theil von Wirkung, theils auf demWege der Reibung, theils, wie z. B. bei Maschinen, bei denen die Wärme thätig ist, durch Wärme-verlust nach außen. Gibt es nun schon keine Maschine, bei welcher die ganze Summe der thätigenKraft wiedergewonnen werden kann, so gibt es noch viel weniger eine solche, bei der die Arbeits-leistung die Größe der thätigen Kraft überstiege, und man wird einsehen, daß die Idee unsererVorfahren, welche leider auch heutzutage noch in manchem Kopfe lebendig ist, eine Maschine zuconstruiren, welche Kraft aus sich selbst erzeugte, d. i. ein Perpetuum mobile, zu den Hirn-gespinsten gerechnet werden muß.

Wenn das Gesetz von der Erhaltung der Kraft im kleinen in aller Strenge bewiesen werdenkann und bewiesen ist, so waltet es auch im großen im ganzen Reiche der Natur. Neue Kräftekönnen von außen herein nicht mehr in das Weltall dringen, es können nur die vorhandenendurch ihren Widerstreit oder ibre Unterstützung Bewegung und Leben mannichfacher Art hervor-bringen. Zu den Kräften nun, welche das Weltall im großen regieren, gehört vor allem die