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5 (1863) Fünfter Band. Kopal–Ozon
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40
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40 Krampfc kleiner Kinder

(wenn die vielleicht gestörte Verdauung sich wieder regulirt hat, die eintretenden Zähne wirklich durch-gebrochen sind u. s. w.). In andern Fällen erfolgen jetzt stärkere und eigentliche Paroxysmen,die nicht selten aber auch ganz plötzlich ohne diese Vorboten auftreten. Sie können sich aus fol-genden Erscheinungen zusammensetzen, die in ihrer Intensität, in dem Grade, in welchem die eineüber die andere vorherrscht und dem Krankheitsbilde dadurch eine etwas veränderte Gestalt gibt,die nach Alter des Kindes und seiner sonstigen Eigenthümlichkeit, nach den Ursachen u. s. w. vielfachwechseln und fast nie alle zugleich beobachtet werden. Das Bewußtsein ist mehr oder wenigervollständig aufgehoben, was aus dem stieren, ausdruckslosen Blicke und der mangelnden Empfind-lichkeit für äußere physikalische Eindrücke (Licht, Anreden, Angreifen u. s. w.) erkenntlich ist. DieAugen rollen nach oben, sodaß oft nur das Weiße des Augapfels sichtbar ist; häufig tritt auchSchielen ein. Das Gesicht wird in verschiedener Weise verzerrt; bald scheint es zu lächeln, baldbietet es den Ausdruck tiefsten Schmerzes; die Lippen öffnen sich, während die Kiefer geschlossenbleiben, dieselben klemmen sich krampfhaft zusammen, die Zähne knirschen, der ganze Körper istgespannt (tonischer Krampf), während, wie im Gesicht, an den Extremitäten, besonders denArmen und Händen, durch heftige klonische Muskelcontractionen allerlei Zuckungen und eigen-thümliche, oft lange Zeit hindurch in derselben Weise wiederholte Bewegungen (automatische Be-wegungen) ausgeführt werden. Die krampfhafte Bewegung der Glieder kann so heftig werden,daß selbst Verrenkungen oder andcrweite Verletzungen erfolgen. Infolge der tetanischen Starreder Rumpfmuskeln tritt Athembeengung ein, die Blutüberfüllung des Kopfes (selbst bis zu Blut-ergüsien in das Hirn, Blutunterlaufungen der Augenbindehaut u. s. w.), schnarchendes, röcheln-des Athmen (Schleimansammlung im Munde und Stimmritzenkrampf), bläuliche Färbung derLippen u. s. w. zur Folge hat. Der Puls ist klein, die Extremitäten sind kühl, der Rumpf istheiß. Harn und Koth gehen oft unwillkürlich ab. Solcher Anfälle können viele an einem Tagekommen, und es ist dann, bei derartiger Stärke derselben, in der Zwischenzeit das Befinden derkleinen Patienten ebenfalls wesentlich gestört, indem ein Zustand von großer Abspannung undähnlich dem, wie er unter den Vorboten geschildert ward, anhält. Solche Anfälle führen mit-unter sehr schnell zum Tode (Erstickung durch Stimmritzenkrampf, durch Bluterguß in das Hirnund seine Häute: Schlagfluß, durch große Erschöpfung u. s. w.). Werden sie überstanden, sozeigen sich nicht selten bleibende Folgestörungen: Schielen, Stottern, Blödsinn, Blindheit u. s. w.Doch sind zum Glück derartige starke Eklampsien ziemliche Seltenheiten und die leichtern, baldund in vollständige Genesung übergehenden die ungleich größere Mehrzahl. Besonders gilt diesvon den vereinzelten sympathischen Krämpfen, welche als Reflexerschcinungen das Zahnen, dieVerdauungsstörungen u. s. w. begleiten.

Die Behandlung hat vor allem nach den Ursachen zu forschen und hiernach zu verfahren.Dies ist Sache des Arztes und kann hier nicht detaillirt werden. Für den Laien muß bemerktwerden, daß sich während der Anfälle selbst im ganzen nur sehr wenig thun läßt. Kleine Kindersind bei plötzlich eintretenden Paroxysmen völlig zu entkleiden, umzubetten u. s. w., im Fall jader Krampf durch einen Druck u. s. w. hervorgerufen ward. Zeigen sich hingegen die oben ge-schilderten Vorboten, so ist der Ärztin Zeiten zu befragen, denn oft läßt sich dann noch demUebel vorbeugen. Ein ableitendes Klystier mit Salz, Essig, ein laues Bad, Kaltwasserumschlägeauf den Kopf, wenn dieser erhitzt und das Gesicht lebhaft geröthet, zweckmäßige Lagerung (Kopfetwas erhöht, nicht zu warm, hinreichender Schutz gegen Verletzungen an eckigen Bettwändenu. s. w.), Erleichterung der Athmung durch Befreiung der Brust und des Halses von beengenderKleidung erweisen sich während der Anfälle nützlich. Scnfteige und andere Hautreize, währendderselben angewendet, verschlimmern meist den Zustand, während sie (auf Brust oder Magen-grube applicirt) nach Beendigung des Paroxysmus, wenn etwa schneller Verfall der Kräftedroht (auffallende Bläffe des Gesichts, tiefliegende, starkgeränderte Augen, schwache Respiration,anhaltende Kühle der Extremitäten u. s. w.) neben spirituösen Waschungen des Gesichts, Frotti-ren der Extremitäten mit gewärmten wollenen Tüchern, einigen Tropfen Wein, warmen aroma-tischen Theen (Baldrian, Pfefferminze, Kamillen u. s. w.) oft von Nutzen sind. Neigen Kinderüberhaupt zu Krämpfen, so ist ihre Ernährung möglichst zu heben (durch reizlose, kräftige undin den rechten Zwischenräumen gereichte Kost), so sind alle aufregenden Speisen und Getränke,(Kaffee, Thee, Spiritussen) zu meiden, so sind sie vor allzu ftüher geistiger Anstrengung zu hüten,und ist der bei solchen Kindern oft sehr rege Lerntrieb durch körperliche Uebungen und zerstreuendeSpiele zu beschränken; ihre ganze Erziehung sei streng und consequent (aber ohne Härten undLaunen), ihr Körper werde durch fleißigen Aufenthalt und dem Alter angemeffene Bewegungin der frischen Luft und in den spätern Jahren durch kalte Waschungen und Bäder abgehärtet.