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5 (1863) Fünfter Band. Kopal–Ozon
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41
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Krampfstillcnde Mittel 41

Krampsstillcnse Mittel. Die Behandlung der Krampskrankheiten wird so verschiedenartigsein müffen, als die Ursachen derselben mannichfaltig sind (vgl. den Art. Krämpse), und es kanndaher kein für alle Fälle pasiendes Schema des Verfahrens gegeben, sondern es können an diesem ^rteeinestheils nur die Mittel aufgezählt werden, deren sich der Arzt bedient, wenn eme ursächlicheBehandlung nicht möglich, weil der Grund des Leidens unbekannt ist, oder die zur Besänstigungder heftigsten Symptome und zur Abwendung augenblicklicher, durch die Krampfansalle selbstdrohender Gefahr neben jener causalen Therapie in Anwendung kommen, oder endlich rn Gebrauchgezogen werden, wenn die Ursache der Krämpse nicht bekannt oder zwar gehoben ist, der Mampfselbst aber, wie diesen mehreren Fällen beobachtet wird, dennoch fortbesteht. Hieran knüpft sich,was für den Laien am wichtigsten ist, die Besprechung eines zweckmäßigen Verhaltens und einergeeigneten Pflege während der Mampfanfälle sowol als insbesondere zwischen den Anfällen undbei vorherrschender Disposition zu krampfhaften Erscheinungen.

Die Mittel, welche einer causalen Tberapie dienen können, müssen also, wie erwähnt, Über-gängen werden, weil sonst alle die gegen Gehirn- und Rückenmarkskrankheiten, gegen Assectionendes Äehlkopss, des Magens, der Blutbeschasseuheit u. s. w. in den Kreis der Betrachtung gezogenwerden müßten, da unter allen diesen und noch vielen andern Umstände» Krämpse eintretenkönnen. Als eigentliche krampfstillende Mittel, d. i. solche, welche eine augenblickliche Beruhigungbewirken, cbct welche bei Mangel einer bekannten oder einer ber Therapie birect nicht zugänglichenUrsache (so z. B. bei Epilepsie u. s. w.) angewandt werden, dienen vor allen die narkotischenStoffe, das Opium, Morphium, die Belladonna, das Aconit, die Blausäure, der Kirschlorberu.s.w.,sodann das Chloroform, der Schwefcläther u. s. w., kurz alle die, welche zur Aetherisation ver-wendet werden können. Diese Mittel vermögen in vielen Fällen eine augenblickliche, meist aberauch nur eine rasch vorübergehende Erleichterung zu verschaffen; doch hat man bei längerer undconsequenter Anwendung einzelner derselben (z. B. Belladonna bei Epilepsie) die ganze Krampf-krankhcit heilen scben. Die Wirkung dieser Mittel ist im großen und ganzen klar; sie beruhigenebenso, wie in andern Fällen die schmerzhafte Erregung sensibler Nerven, hier die krankhafte Erre-gung und Thätigkeit der motorischen. Eine andere Reihe krampfstillender Mittel kann weniger zuaugenblicklicher Beruhigung benutzt werden, wohl aber gelingt es mit ihrer Hülfe nicht selten, dieganze Krankheit und die Disposition zu Krämpsen zu heben. Dahin gehören eine Menge unan-genehm riechender Pflanzenstoffe: der Baldrian und die Asafötida, sowie das dem Thierreich ent-lehnte Bibergeil und der Moschus u. s. w. und mehrere metallische Arzneimittel: Zink, Kupfer,Wismut, Silber und Arsenik. Der causale Zusammenhang zwischen den chemischen Eigenschaftendieser Mittel und ihrer Heilwirkung ist zur Zeit noch vollkommen dunkel und ihre Anwendung daherin den meisten Fällen aus gut Glück hin und nach den bisherigen Erfahrungen über ihre Wirksam-keit in dem einen oder andern Falle zu versuchen. Die Anwendung aller dieser Mittel, sowol derobigen augenblicklich beruhigenden wie der andern gegen das eigentliche Leiden empfohlenen, mußdem Ermeffen und den speciellen Anordnungen des Arztes überlasien bleiben; höchstens kann demLaien für den einzelnen Fall Anweisung gegeben werden, wie er sich dieses oder jene» derselbenzu bedienen habe (so z. B. über Anwendung von Morphium, Kirschlorber, Chloroform u. s. w.).Während der Krampsansälle selbst kann, abgesehen von der nur mitunter heilsamen Anwendungjener beruhigenden Mittel, im allgemeinen nur wenig gethan, wohl aber mancherlei Schädlichesverhindert werden. Zu den Hauptschädlichkeiten während solcher auf die Umgebung in der Regelsehr mächtig wirkenden und alle Thätigkeit zu Hülfsleistungen aufregenden Anfälle sind in ersterLinie allzu große Geschäftigkeit und stürmische Hülfsleistungen zu rechnen. Da in vielen fällen dieParoxysmeu durch starke äußere (psychische und physische) Reizeindrücke geradezu hervorgerufen,unter allen Berhältirisien aber verstärkt werden, so ist die größte Ruhe um den Kranken zu beob-achten, lautes Klagen und Bedauern, müßiges, neugieriges Herandrängen zu vermeiden, sindalle grellen Licht- und Schalleindrücke (Abdämpfen des grell hereinfallenden Sonnenlichts, Ent-fernen der Lampen von dem Bette des Kranken, vorsichtiges Schließen der Thüren und vorsich-tiges Auftreten u. s. w.) fern zu halten, heftiges und gewaltsames Zugreifen, um den Patientenvor Verletzungen zu schützen, zu Unterlasten. Derselbe werde aus ein bequemes Lager, ein nichtallzu weiches Bett gebracht. Man setze seinen krampfhaften Bewegungen kein zwingendes Hin-derniß (Festhalten) entgegen, bewahre ibn nur vor Verletzungen, .indem man die etwa scharfenKanten des Bettes mit Kiffen umgibt, oder treffe ähnliche Vorrichtungen, wie sie gerade durchLager und sonstige Umstände geboten sind. Der Kopf ist hoch und kühl zu lagern, Hals und Brustsmd von Kleidungsstücken, welche die Athmung beschränken könnten, zu befreien, sowie überhauptalle beengenden,drückenden, zusammenschnürenden Kleidungsstücke schonend entfernt werden muffen.