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Kranich
Je ruhiger der Patient während des Paroxysmus gehalten wird, desto schneller und milder pflegtletzterer vorüberzugehen. So gefährlich auch dem Laien die Sache scheinen mag, so kann dochzu seiner Beruhigung gesagt werden, das; nur höchst selten, fast nur ausnahmsweise, währendeines ersten Paroxysmus dem Leben Gefahr droht. Und für die spätern wird sodann schon derinzwischen hcrzugerufene Arzt, sollte es etwa nothwendig sein, die besondern Mastregeln bezeichnen.Vor allem hüte man sich vor Anwendung der für alle Fälle so beliebten Sensteige; sie sind wäh-rend eines Krampfanfalls immer nutzlos, meist aber sogar schädlich. Ist der Anfall vorüber undder Kranke sehr angegriffen, so gebe man eine Tasse warmen Baldrian-, Kamillen-, Pfefferminz-thee, einige Löffel Wein u. s. w. und überlasse ihn einer ungestörten Ruhe. Personen, welchean Krampfkrankheiten leiden oder überhaupt zu krampfhaften Affectionen neigen, müssen sich einersehr regelmästigen und mäßigen Lebensweise befleißigen. Sie haben sowol übermäßige geistige undkörperliche Anstrengungen als Excesse in Speise und Trank, in der Liebe und gemüthlicbe Auf-regungen sorgfältig zu meiden. Sind sie schwächlich und blutarm, so haben sie sich der in; Art. Bleich-sucht und Blutarmuth bezeichneten Behandlung zu unterziehen und die daselbst geschilderte Diätzu beobachten; sind sie (der ungleich seltenere Fall) vollblütig, so müssen sie höchst einfach undmäßig leben und durch stärkere körperliche Anstrengung diesem Uebelstande begegnen. (S. Voll-blütigkeit.) Unter allen Verhältnissen ist ihnen fleißige Bewegung in freier Luft, zweckmäßige,nicht überanstrengende geistige Thätigkeit anzuempfehlen; sie haben sich durch die für den speciellenFall geeigneten Mittel abzuhärten (s. Abhärtung) und ihre leichte Empfänglichkeit und großeErregbarkeit gegen äußere Eindrücke abzustumpfen. Ein festes Wollen, das auch nach wiederholtenvergeblichen Versuchen nicht ermüdet, immer wieder von neuem anzukämpfen, kann oft hierbeidas Meiste thun. Dabei vermag die Umgebung durch milde, aber ernste Ermahnungen, Erinne-rungen oft recht wohlthätig mitzuwirken. Allerdings stößt der bestmeinende, liebevollste undvernünftigste Rathgcber oft auf Widersetzlichkeit, Eigensinn und Laune, eine niederschlagendeErfahrung, welche mit Krämpfen behaftete oder solche oft producirende hysterische Frauen nur zuhäufig lehren. Wir wollen damit keineswegs den Patienten unrecht thun oder hart gegen sie sein,aber so gewiß es viele Krümpfc gibt, die durch keinen Willcnseinftuß unterdrückt oder nur gemil-dert werden können (Epilepsie, Eklampsie u. s. w.), so gewiß gibt es auch viele (hysterische, Veits-tanz, Stottern, mimischer GesichtSkrampf u. s. w.), bei denen durch einen energischen Willen vieleAnfälle ganz vermieden oder doch abgekürzt werden können und unter allen Verhältnissen imallgemeinen die Disposition zu Krampf abgeschwächt und die Anwendung pharmaceutischer unddiätetischer Mittel wesentlich unterstützt zu werden vermag.
Kranich (Orus). Ein artenreiches Geschlecht der reiherartigen Stelzvögel, sehr hoch auflange, dünne Beine gestellt, mit großem, langem, spitzem und scharfschneidigem Schnabel, bestenNasenlöcher schlitzförmig in einer langen, mit weicher Haut überzogenen Rinne liegen. Der Halsist lang und hoch, die Flügel breit und groß, der Schwanz meist mit buschigen schönen Federnbesetzt, die von einigen Arten zum Schmuck verwandt werden. Alle Kraniche sind Wander- undZugvögel, die ähnlich wie die.Gänse in großen Scharen bis zu 100 Stück in der Form einerEins (1) wandern, wobei sie am Tage in solcher Höhe fliegen, daßman sie kaum als Punkte sehen kann und nur den eigenthümlichenTrompeterton hört, den sie dabei ausstoßen. Als Standorte wühlensie große Heide- und Moorflächen, die sie bei ihrer hohen Gestaltweithin übersehen können, meiden Gebüsche und Wälder, weshalbman sie häufig auf den Puszten Ungarns, den Morästen und Step-pen Polens und Rußlands, selten aber in Deutschland trifft. DasNest wird im unzugänglichen Sumpf angelegt, kunstlos aus Schilfund Binsen zusammengetragen und mit zwei grünlichen, rothgraugefleckten Eiern besetzt. Die Gesellschaften sind äußerst scheu und vor-sichtig und stellen Tag und Nacht Wachen aus, die bei jeder ver-dächtigen Erscheinung Alarm rufen, sodaß ihnen schwer beizukommenist. Die Nahrung besteht vorzüglich aus Sämereien, Knospen undFrüchten, auch aus Würmern, Fröschen und Mäusen, denen indeß derKranich nicht besonders nachstellt. Die Kraniche werden sehr leicht zahm, zeigen viel Intelligenzund Anhänglichkeit und ergötzen auf den Hühnerhöfen durch ihre gefällige Gestalt, ihr gravitä-tisches Wesen, das nur im Frühling zur Paarungszeit in närrisches Betragen ausartet. Einmaleingewöhnt, halten sie unter dem übrigen Gevögel Ruhe und Ordnung, schützen die Verfolgten,schlichten Streitigkeiten, strafen unverträgliche Hähne und Enteriche mit scharfen Schnabelhieben
Kopf des Kranichs (G rus
cinerea).