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5 (1863) Fünfter Band. Kopal–Ozon
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50
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50 Krankheit

bald ba, je nach ihrer Artung oder Neigung, ihren Sitz aufschlügen, die eine Residenz, durch sieg-reiche Arzneien bestürmt, auch wol verließen, um sich einen andern Sitz zu wählen, den sie bös-willigerweise, vertrieb man sie aus den Außenwerken des Körpers (Hautkrankheiten, Beingeschwürcu. s. w.), dann oft, um sich gründlich für die Unbill zu rächen, in einen innern edeln Theil ver-legten; daß ein tüchtiger Heil- und Scheidekünstler mit seinen Geheimmitteln, schließlich auch wolnur mit einer Zauberformel den in fremdem Besitze hausenden Kobolden doch so warm machenkonnte, daß sie aus-, wenn auch nicht allemal in eine Heerde Säue fuhren, das erwähnen wirhier nur der Curiositüt halber, um vielleicht manchem Leser unsere lange, trockene Auseinandersetzungdurch ein pikantes Zwischengericht etwas schmackhafter zu machen, und stellen uns mit Uebergehungmancher tüchtigen, aber nicht in allen Stücken unsern jetzigen Kenntnissen und Erfahrungen ent-sprechenden Ansichten sogleich auf den Standpunkt, den die physiologischen und pathologischenForschungen der Neuzeit, zusammengehalten mit den erworbenen Wahrheiten früherer Zeiten, unsanweisen. Zerlegt man die Gesammterscheinungen, welche wir Krankheiten nennen, in die einzelnenVorgänge, welche sie zusammensetzen, und setzt diese Analyse so weit fort, als es unsere Kenntnisseund Untersuchungsmittel nur irgendwie erlauben, so findet man in den meisten Fällen, und wodies nicht der Fall ist, darf man nach hinreichend zahlreichen und wohlbegründeten Erfahrungenschließen, daß dies nur an unserer mangelhaften Erkenntniß und Untersuchung liege, daß alledie einzelnen Vorgänge und Erscheinungen, welche in ihrer Gesammtheit die Krankheit aus-machen, auch ini gesunden Organismus beobachtet werden, nur nicht immer in dieser Combi-nation, nicht immer in derselben Art und Heftigkeit des Verlaufs, nicht immer an denselbenOrten. Der wachsende Muskel eines Menschen baut sich in ähnlicher Weise auf wie eine Ge-schwulst; die Entzündung zeigt alle die Vorgänge, welche wir auch sonst bei den Ernährungs-vorgängen beobachten (s. Entzündung): die Congestionen und Hyperämien des Hirns kommenganz in derselben Weise zu Stande wie die normalen Congestionen der Gebärmutter beimMonatsblutfluß, bei der Schwangerschaft u. s. w. Wenn Congestion und Blutung aus derGebärmutter zur rechten Zeit (der monatlichen Reinigung) und in dem gehörigen Maße ein-treten, so ist dies ein Vorgang, der nothwendig zu der Gesundheit des Weibes gehört; erfolgensie im Uebermaße, zu häufig u.s.s., so nennen wir dies Krankheit. Bildung von Zucker in der Leberist normal; ein Uebermaß derselben führt zur Ausscheidung des Zuckers durch die Nieren und giltalsHauptsymptom der Zuckerharnruhr. Auch das, was wir (mit einem unpassend gewählten Namen)Krankheitsproduct zu nennen pflegen, bietet weder nach Gestalt noch Mischung seiner Theile etwasdar, was nicht auch sonst im Körper aufzufinden wäre. Es werden also die Krankheiten nur da-dadurch zu Störungen, daß die sie zusammensetzenden Lebensvorgänge entweder an andern als nor-malen Orten geschehen, oder zu andern Zeiten und in anderm Maße auftreten, sich in anderer Weisecombiniren und auf andere Art verlaufen. Die Störungen, welche durch diese Abänderungen dernormalen Lebenserscheinungen entstehen, können sich aber auf zweierlei Art bemcrklich machen; sietreten entweder als Fehler der Mischung in den normalen Körperflüssigkeiten (Blut, Lymphen.s. w.)oder als Formveränderungen der festen Organtheile und Organe auf. Zu den Krankheiten derersten Klasse gehört beispielsweise die Urämie (s. Bright'sche Krankheit), welche in einer Anhäufnngvon Harnstoff oder Ammoniak im Blute besteht; zu denen der zweiten Klasse die verschiedenenEntzündungen mit ihren Ausgängen in Erweichung, Vereiterung, Verhärtung u. s. w. Allerdingsist die Reihe der Krankheiten, welche nur in Mischungsveränderungen bestehen, bisjetzt noch einekleine, doch beruht dies darin, daß die chemische Untersuchung der normalen und abnormen Flüssig-keiten des Körpers eine außerordentlich schwierige ist und sich zur Zeit noch in den ersten Stadienihrer Entwickelung befindet. Mit jedem Fortschritte der physiologischen und pathologischen Chemiewerden wir auch neue Einsichten in das Wesen vielfach dunkler Krankheitsvorgänge gewinnen.Schon von vornherein muh angenommen werden, daß alle Formveränderungen in den Elcmentar-theilen des Körpers und ihren Komplexen, den einzelnen Geweben und Organen, in letzter In-stanz in Mischungsveränderungen ihren Grund haben müssen. Die Untersuchung der krankhaftenFormveränderungen hingegen (die pathologische Anatomie und Histologie, s. u.) ist bereits zueinem hohen Grade ausgebildet und hat durch die Vervollkommnung der Mikroskope in den letztenDecennien ganz eminente Fortschritte gemacht. Außer diesen beiden im Princip wenigstens klarenKrankheitsreihen sind wir zur Zeit gezwungen, noch eine dritte aufzustellen, bei welcher wederMischungs- noch Formveränderungen nachweisbar sind; es sind dies die sogenannten functionellenStörungen, eine Bezeichnung, welche ebenfalls nicht glücklich gewählt ist, da bei allen den Krank-beiten der ersten beiden Reihen stets auch Störungen der verschiedenen Körpersunctionen statt-finden. Hierher müssen gerechnet werden der Schmerz (die verschiedenen Neuralgien (s.d.) u.s.w.j,