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5 (1863) Fünfter Band. Kopal–Ozon
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Krankheit

und der ein- oder mehrmaligen oder steten Einwirkung ihrer Ursachen. Liegen diese in der un-gesunden Lust des Wohn- oder Arbeitsorten (Fieberlust), in der Lebensweise, Beschäftigung, inder Beschassenbeit der Wohnung u. s. w. und kommen sie also wiederholt oder selbst unausgesetztzur Wirkung, so dauert die Krankheit auch länger, ist wol gar nicht zu heben, wenn e& nicht ge-lingt, die Ursachen selbst zu entfernen. Vorübergehenden, nur einmal einwirkenden Ursachen Pflegenauch kürzere Erkrankungen zu folgen, die aber destenungeachtct gleichwol in hohem Grade lebens-.gefährlich sein können. An je mehr Orten gleichzeitig die Krankheit ihren Sitz hat (z. B. tuber-kulöse Processe in der Lunge, im Darme, in den Bauchlymphdrüsen oder skrofulöse Assectwnender verschiedenen Lymphdrüsen u. s. w.), desto langsamer pflegt sie auch zu verlaufen. Fernerist die Art der Ernährung des von einer Krankheit befallenen Organs maßgebend für ihre Dauer.Knochen sind wegen ibrer sparsamen Ernährung nur einer langsamen Regeneration fähig, daherihre Erkrankungen alte einen langsamen Verlaus haben. Abgesehen davon, ob der Verlauf einerKrankbeit acut oder chronisch, typisch oder atypisch ist, bietet derselbe noch manche andere Eigen-thümlichkeiten. Der Anfang derselben kann ganz plötzlich erfolgen, wie bei Vergiftungen niit grö-tzern Mengen ätzender, narkotischer u. s. w. Substanzen, bei Zerreißungen innerer Theile (sckstag-fluß durch Gefäßzerreißungen im Hirn u.s.w.), bei manchen Krampfformen (Epilepsie u. s. w.), beimanchen acuten Krankheiten, welche mit Schüttelfrösten beginnen (Lungen-, Mandelentzündung,Gesichtsrose, Pocken u. s. w.), oder sie kann sich, wie meist geschieht, ganz allmählich und »»merklichentwickeln (Tuberkulose, Typhus, verschiedene Lcberaffcctionen) und sich dieses sogenannte Stadiumder Vorläufer durch viele Tage, selbst Wochen ». s. w. hinziehen. Es pflegen dann nach und nachaufzutreten und sich allmählich zu steigern: Abgeschlagenheit, Unruhe, Appetitlosigkeit, ziehendeSchmerzen in verschiedenen Körpertheilen u. s. f., und es ist in den meisten Fällen in dieser Zeit,wenn nicht äußere Verhältnisse (herrschende Epidemien, Berufs-, Nahrungs-, Wohnungsverhält-nisse u. s. w.) einigen Anstalt für Vermuthungen geben, meist ganz unmöglich, die Art der dro-henden Erkrankung im voraus zu bestimmen. Im weitern Verlause der Krankheiten machensich bei den typischen wiederum nrit mehr oder weniger Deutlichkeit und Regelmäßigkeit gewisseStadien bcmcrklich, und es können die Zunähn,e der Krankheit, ihre Höhe, die entscheidendeWendung zur Besserung, die Abnahme der Krankheit und die Zeit der Wiedergenesung unter-schieden werden (Lungenentzündung, Typhus, Scharlach, Pocken, Masern u. s. w.), die aber nurselten an ganz bestimmte Tage gebunden sind, oft aber mit den Zeiten von 2% und 7 Tagen odereinem Mehrfachen derselben zusammenfallen. Die früher über die Zeit der schnellen Entscheidung, dieKrise (von xpwsiv, scheiden, ausscheiden, entscheiden), gebräuchlichen Ansichten, daß dieselbe durchgewisse Ausscheidungen (Schweiß, Harnsedimente, die dunkeln, trüben Harn erzeugen), welche dieKrankheitsmaterie aus dem Körper entfernten, eingeleitet werde, hat mit der richtigern Einsicht,daß es gar keine solche Krankheitsmaterie als Ursache der Krankheit gibt (s. o.), fallen müsien.Es treten zwar häufig genug zur Zeit der Wendung der Krankheit zum Bessern jene Ausscheidungensowie Schlaf, rasches Sinken der Körperteinperatur und des Pulses (s. Fieber) ein, aber nicht alsUrfachen der beginnenden Besserung, sondern als deren Folgen. Erfolgt die Wendung zumBester» jedoch nicht mit einem mal, sondern in allmählicher, aber stetiger Entwickelung, so heißtman eine solche.Entscheidung eine Lösung, Lyse (von Xv-nv lösen). Erfolgt, nachdem bereits eineentschiedene Besserung eingetreten war, eine abermalige Verschlimmerung, so nennt, man dieseinen Rückfall, eine Recidive (von reciclers, zurückfallen). Solche Recidive werden z. B. beimTyphus in ausgeprägtester Weise beobachtet. Die meisten Krankheiten, so namentlich die chroni-schen, zeigen jedoch nicht diesen typischen Verlauf, sondern vielfache Schwankungen, bald zumBessern (Nachlaß, Remission, von remittere, nachlassen), bald zum Schlechter» (Steigerung,Exacerbation, von exacerbare, erbittern, verschlimmern). Krankheitszufälle,welche von Zeit zuZeit wiederkehren, heißen aussetzende, i n t e r in i t t i r e n d e (von intermittere, nachlassen, aussetzen),die freien Zeiten Intermissione», die erneuten Anfälle Parozysmen (von 7tapo^uvsö^<x<.,scharf, heftig werden). Sind die Anfälle zugleich von Fieber begleitet, die freie Zwischenzeit abersieberlos, so beißt sie Apyrexie. (S. hierüber sowie über den Verlauf der Fieber den Art. Fieber.)

Der Ausgang der Krankheit kann ein dreifacher sein; sie kann mit vollständiger Herstel-lung, Genesung enden; sie kann anderweite Folgestörungen nach sich ziehen, Nachkrankheite», siekann endlich die gesammten Lebensvorgänge aufheben, mit dem Tode endigen. Der vollständigenGenesung geht meist eine längere oder kürzere Periode der Ausgleichung der durch die Krankheiterzeugten Störungen in der Ernährung, der Nerventhätigkeit u.s. w. voraus, die Reconvalescenz,G o nv a l e s c c n z (von convalescere, erstarken, sich erholen). Sie ist besonders ausgeprägt nach smwe-ren acuten Krankbeiten (Typbus, Pocken, Scharlach), »ach starken Blutverlusten u.s.w. Der Kranke