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5 (1863) Fünfter Band. Kopal–Ozon
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56
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56 Krankheit

verliert nach und nach seine Schwäche und Empfindlichkeit, seine Stimmung wird sreudig, derSchlaf stärkend, und besonders erwacht ein lebhaftes Nahrungsbedürfnifi, dem aber nur mitVorsicht und nach den ganz speciellen Verordnungen des Arztes gewillfahrt werden darf (vgl.die Art. Krankenpflege, Diätetik und die Specialanweisungen bei den verschiedenen Krankheiten),da Vergehen in dieser Beziehung nicht selten Recidive oder Nachkrankheiten erzeugen können.Auch dem Triebe nach Beschäftigung, besonders geistiger (sei es auch nur Lectüre), sowie dem wiedererwachenden Geschlechtstriebe darf nur allmählich nachgegeben werden. Die Frage, wie die Heilungzu Stande komme, wird gewöhnlich und muß auch dahin beantwortet werden, daß eine Genesungentweder durch Natur- oder durch Kunstheilung, häufig durch beide gemeinschaftlich bewerk-stelligt werbe. Worin besteht aber die Naturheilung und wie kommt sie zu Stande? Früher, alsman die Krankheit persouificirte, sie wenigstens als eine selbständige Materie, die bald da, balddort im Körper ihren Sitz nehme, betrachtete (s. o.), schrieb man die Selbstheilung (Heilung ohneKunsthülfe) auch einer selbständigen, von den übrigen Körperkräften isolirten, ja mit Bewußtseinund Ueberlegung wirkenden Kraft zu, die (im Fiebersturme) gegen die Krankheit ankämpfe, sie auseinem Orte nach einem andern, im günstigen Falle ganz aus dem Körper vertreibe und so deflenWohlbefinden wiederherstelle. Doch ist diese Ansicht abgethan, obwol sie oder Abkömmlinge vonihr noch hier und da in den Köpfen der medicinischen Laien spuken, ja selbst noch manchen ärzt-lichen Kopf unsicher machen. Ein geistreicher Patholog geiselt die Annahme einer besondernNaturheilkraft (in dem obigen Sinne) ebenso witzig als scharf: „In der Medicin ist die Krankheit,die man so gern personificirt, der Teufel, die Naturheilkraft der Engel. Engel und Teufel streitensich um den Besitz des armen Körpers. Der Engel macht die kritischen Ausscheidungen und be-müht sich, seinen Gegner, den Teufel, oder dessen sterbliche Uebcrrste aus irgendeiner Oefsnungdes Körpers abzuführen. Dies mislingt ihm häufig; denn in der Medicin ist der Engel derDumme und Geprellte, der bald die rechte Zeit verschlummert, bald zu wenig, bald zu viel thutund in seinem täppischen Zugreifen den Leib, den er schützen will, selbst beschädigt, bald den bösenFeind, statt ihn auszutreiben, in eine innere Höhle treibt, wo er erst recht wüthet" u. s. w. Inwelcher Weise aber die Naturheilung wirklich zu Stande komme, kann nur an der Hand der Natur-wissenschaften ergründet und mit Hülfe ihrer Kenntniß verstanden, also an diesem Orte nichtspecieller auseinandergesetzt werden. Daß uns in dieser Kenntniß auch noch sehr viele Lückenbisjetzt geblieben, wird den einsichtigen Leser weder überraschen (es ist und wird dies Schicksalaller Erfahrungswissenschaften bleiben), noch der Wichtigkeit und Bedeutung der bereits sichergestellten Erfahrungen Abbruch thun. Um wenigstens einige Andeutungen zu geben, welchegleichsam als Wegweiser am Anfange des Weges zu einer verständigen Auffassung stehen, seiFolgendes bemerkt. Es bestehen im Körper eine Menge bereits gekannter und wahrscheinlich nochweit mehr bisjetzt noch nicht gekannter Einrichtungen, welche dazu dienen, gewisie Gleichgewichteherzustellen, sobald diese durch äußere Einwirkungen Gefahr laufen, aufgehoben zu werden. Soist z.B. für feste und flüssige (Blut, Lymphe u. s. w.) Gewebe ein ganz bestimmter Gehalt an Wasserunbedingtes Lebenserforderniß. Dieses Wasser bezieht der Körper hauptsächlich durch Speisen undGetränke. Eine der steten Zufuhr an diesem Material entsprechende Abgabe von Wasser findetdurch die Athmung, durch die Haut, durch die Nieren (Harn) und den Darm (in den Fäces) statt.Steigt nun die Lufttemperatur um uns und verdunstet infolge dessen mehr Wasser als gewöhnlichdurch die Haut (Perspiration und Transspiration), und würde gleichzeitig durch Nieren und Darmebenso viel Wasier abgeführt als bei niedrigerer Temperatur und geringerer Hautausdünstung,so würde dem Körper bald so viel Wasser entzogen, daß er fühlbaren Mangel daran litte. Dafürbesteht nun die Einrichtung im Körper, daß in dem Maße, als die Wasierabgabe durch die Hautsteigt, die durch Nieren und Darm fällt. Umgekehrt nimmt letztere zu, wenn bei niedrigerer Tem-peratur weniger Wasser durch die Haut abgeht. Sowie nun in gesunden Tagen derartige com-pensatorische Einrichtungen das Gleichgewicht der chemischen und physikalischen Verhältnisse imKörper bewahren, so treten auch ähnliche zu Zeiten der Krankheit ein, deren Vorgänge ja, wiewir oben gesehen haben, im einzelnen durchaus denen im gesunden Körper gleich sind. DieseAusgleichungen und Compensationen geschehen, wie die Verallgemeinerungen und Localisationenver Krankheiten, ebenfalls durch Vermittelung der Nerven und des Blutes. Leicht verständlichwird es nun auch sein, daß mitunter die Einwirkungen der krankmachenden Ursachen so stark seinkönnen, daß die Kraft jener Compensationsapparate nicht mehr ausreicht, das gestörte Gleich-gewicht allein wieder herzustellen oder schnell genug herbeizuführen, ehe weitere Nachtheilefür den Körper daraus erwachsen, und daß in solchen Fällen eine Unterstützung durch Kunsthülfe,welche sich in ihren Wegen und Mitteln möglichst genau an jene natürlichen Vorgänge zu halten