64 Krätze
und Wasserfarbe gebraucht wird, abhängt. Zur Erzielung einer rein gefärbten Verbindung istes nöthig, die misfarbigen Bestandtheile des Krapps möglichst zu beseitigen. Man entfernt die-selben entweder durch Gärung oder durch sorgfältiges Auswaschen, wozu man entweder nur reinesheißes Wasser oder nach Merimöe der Reihe nach reines, alkalisches und angesäuertes Wasser an-wendet, oder man verwendet, wie es jetzt am gebräuchlichsten ist, Garancine. Die gereinigteSubstanz kocht man wiederholt mit einer Alaunlösung aus, filtrirt die Auszüge noch heiß durchWolleniücher und fällt sie mit kohlensaurem Natron, wäscht den rothen Niederschlag aus undtrocknet ihn in gelinder Wärme. Verschiedene Abstufungen von Rosen- bis Purpurröth lassen sicherzeugen, indem man die alaunhaltige Farbbrühe wiederholt mit zur vollständigen Fällung un-zureichenden Quantitäten Soda versetzt; der zuerst entstehende Niederschlag, eine Verbindung vonbasisch-schwefelsaurer Thonerde mit dem größten Theile des Farbstoffs, fällt dann am dunkelstenaus, die folgenden immer Heller. Zur Herstellung billigerer Sorten ersetzt man die Soda ganzoder zunr Theil durch Schlämmkreide und erhält dann den Krapplack mit Gyps und kohlensauremKalk gemengt; durch Zusatz von etwas Zinnsalz zum Fällungsmittel läßt sich das Feuer desFarbentons erhöhen. Eine vergleichende Prüfung käuflicher Krapplacksorten, welche sich außerder Farbe besonders aus die Deäkrast erstreckt, wird am einfachsten ausgeführt, indem Man gleicheQuantitäten des Materials mit so viel Schlämmkreide versetzt, bis alle Proben eine gleicheNuance zeigen; der Gehalt an Pigment steht dann in directem Verhältniß zu den gemachten Zusätzen.
Krätze ist eine durch ein kleines Schmarotzerthierchen, die sogenannte Krätzmilbe, ver-ursachte Hautkrankheit. Dieses zu den Spinnenthieren (s. d.) gehörige Thierchen ist wegen seinerKleinheit dem bloßen Auge kaum sichtbar; doch erkennt der Kundige die Weibchen, welche dieMännchen um Las Doppelte an Größe übertreffen, als kleine weiße Punkte, während die schwärz-lichen Männchen ohne Vergrößerungsglas kaum wahrzunehmen, geschweige denn in der Hautaufzufinden sind, um so weniger, als sie auch viel seltener sind als die Weibchen; es mögen etwazehn Weibchen auf ein Männchen kommen.
Die Gegenwart der Milben in der Haut verräth sich zunächst durch ein lebhaftes Jucken undBeißen, das um so heftiger ist, je zarter und empfindlicher die Haut des Befallenen und je grö-ßer die Zahl der schmarotzenden Milben ist. Diese Beschwerden nehmen zu, sobald der Krankein wärmere Temperatur kommt, sich erhitzt, wärmer kleidet oder zu Bett liegt, und sie könnenbei zärtlichen Menschen eine unerträgliche Qual und selbst fieberhafte Aufregung hervorrufen,während es andererseits einzelne gibt, denen die Milben keine Unbequemlichkeit, ja selbst einenwohlthuenden Kitzel veranlassen. Früher oder später zeigt sich dann an den betroffenen Stellenein Hautausschlag. Auf oder in der Nachbarschaft der Gänge, welche sich die Milben in derHaut graben und welche sich als gerade oder gewundene, kürzere oder längere, rothe, weißliche oderschwärzliche Striche und Striemchen zeigen, entstehen Knötchen, Bläschen, Quaddeln, Pusteln,Borken und selbst Geschwüre. Dieser in seinen Formen höchst verschiedene sogenannte Krätze-auss ch lag hat durchaus nichts Specifisches an sich, d. h. alle seine Formen sind solche, wie sie auchsonst aus andern Ursachen auf der Haut entstehen können. Auch hängt die Hautafsectiou nur zunächstund nur bei den unbedeutendern Formen allein und unmittelbar von den Milben ab. Die Reizung,welche die grabenden Thiere in der Haut hervorbringen, ist, auch wenn sie viel Schmerzen macht,doch zu unbeveutend, um mehr als höchstens einige Knötchen und Bläschen hervorzurufen. Aberdiese an und für sich unbedeutende Störung wird durch das ganz unausbleibliche fortwährendeKratzen und Reiben an den lästig juckenden Stellen so verniehrt, daß mit der Zeit die bösartig-sten Formen der Hautkrankheiten hervorgerufen werden können. Dies wird um so leichter undschneller möglich sein, je rücksichtsloser das Kratzen, je empfindlicher und zur Erkrankung geneigterdie Haut, je größer die Disposition des Befallenen zu Hautausschlägen und je größer seine Un-reinlichkeit ist. Hat dann der Ausschlag schlimmere Formen angenommen und sich auf einemgrößer,: Theil des Körpers ausgebreitet, so kann durch ihn und durch die entstandene Schlaflosig-keit und Aufregung des Kranken eine allgemeine Störung des Befindens, Appetitlosigkeit, Mat-tigkeit und mangelhafte Ernährung, selbst Fieber herbeigeführt werden. In den schlimmstenFällen kann es auf diese Weise bei schwächlichen Personen und kleinen Kindern durch Vernach-lässigung selbst zum Tode kommen.
Die Krätze kann man nur durch Ansteckung, d. h. durch Uebertragung einer befruchtetenweiblichen oder mehrerer Milben beiderlei Geschlechts bekommen. Männchen oder unbefruchteteWeibchen können für sich zwar einige Zeit ein vereinzeltes Jucken und einzelne Knötchen oder Bläs-chen hervorrufen, aber eine Ausbreitung der Krätze auf der übrigen Haut ist unmöglich, da solche